Mo, 20. November 2017

Sang- und klanglos

19.06.2008 17:48

Frankreichs Kicker nach 0:2 am Boden zerstört

Wortkarg und am Boden zerstört schlichen die französischen Kicker in ihren grauen Maßanzügen am Dienstagabend aus dem Züricher Stadion. Das 0:2 gegen den Erzrivalen Italien und das Verpassen des EURO-Viertelfinales bedeutete auch das Ende einer großen Ära im französischen Fußball. Mit einem Remis, zwei Niederlagen, 1:6 Toren und dem letzten Platz in Gruppe C war es ein sang- und klangloses Ende. Nun steht der nächste Prozess des Umbaus der "Equipe Tricolore" ins Haus.

Das frühe Scheitern stellte das Ende der Teamkarrieren von Lilian Thuram und Claude Makelele dar. Der 36-jährige Verteidiger und der 35-jährige Mittelfeldspieler bestätigten am Dienstag ihre Entschlüsse. "Das ist das Ende meiner Teamkarriere und eines sehr wichtigen Teils meines Lebens. Ich bin sehr traurig", erklärte Thuram, der als Rekordteamspieler 142 Mal für seine Heimat gespielt hat, die Pleite gegen Italien allerdings von der Ersatzbank mitansehen musste.

Stars verabschieden sich
Thuram war im EM-Kader 2008 das einzige Überbleibsel jener französischen Startelf gewesen, die 1998 ins legendäre WM-Finale gegen Brasilien (3:0) gegangen war. "Das war mein letztes Turnier für Frankreich", bestätigte auch Makelele, der 71 Mal im A-Team der Franzosen gespielt hat. Im Gegensatz zu Thuram trat Makelele ohne große Trophäe ab. "Meine Trophäe ist, dass ich die französischen Farben tragen durfte."

Bilder, Meinungen und Pressestimmen zum Spiel gegen Italien findest du in der Infobox!

Den verletzungsbedingten Ausfall eines weiteren Routiniers merkte man im französischen Team bei der EURO an allen Ecken und Ende. Mit dem 31-jährigen Kapitän Patrick Vieira, im WM-Finale 1998 eingewechselt, fehlte im ersten großen Turnier nach dem Rücktritt von Zinedine Zidane eine ordnende Hand. Vieira fiel aufgrund einer Oberschenkelverletzung in allen drei Gruppenspielen aus.

"Alles lief schief"
"Gegen Italien lief von Anfang an alles schief", meinte Ersatz-Captain Thierry Henry, während sein Kollege Patrice Evra klarere Worte fand. "Es gibt keine Entschuldigungen und Ausreden", erklärte der Verteidiger, der sich auch nicht auf den unglücklichen Spielverlauf gegen die Italiener ausreden wollte. Angesichts der ersten beiden Spiele gegen Rumänien (0:0) und die Niederlande (1:4) meinte Evra: "Wir haben uns selbst in diese Situation manövriert." Das frühe Aus der Franzosen beschrieb der 27-Jährige als "unglaubliche Verschwendung".

"Eine großartige Fußball-Nation wie unsere, mit all diesen Talenten in der Mannschaft, sollte nicht in der Gruppenphase scheitern. Natürlich kann man über Matchdetails reden, aber das zählt unterm Strich alles nichts. Wir müssen uns bei allen entschuldigen. Wer kein einziges Spiel gewinnen kann, der hat den Aufstieg auch nicht verdient", ging der Manchester-United-Legionär mit sich und seinen Kollegen realistisch und hart ins Gericht. Französischen Medienberichten, wonach die Atmosphäre im Teamcamp zwischen Alt und Jung gespannt gewesen sein soll, widersprach Evra vehement. "Das ist falsch, die Atmosphäre im Team war großartig."

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