Mo, 11. Dezember 2017

EM-Reaktionen

17.06.2008 12:07

Stimmen zum Spiel Österreich gegen Deutschland

Michael Ballack hat am Montagabend mit seinem Freistoßtor für Deutschlands 1:0-Sieg über Österreich gesorgt. Während die Deutschen mit diesem Sieg ins Viertelfinale einzogen, sind für Österreich alle EURO-Träume geplatzt. Lies nach, was Trainer, Spieler und Experten zu dem Match im Ernst-Happel-Stadion in Wien sagten.

Josef Hickersberger (Teamchef Österreich): Zur Verbannung auf Tribüne: "Ich kann es nicht sagen, was passiert ist, sowohl Joachim Löw als auch ich haben nur unseren Beruf ausgeübt. Der vierte Offizielle hat die Nerven verloren und dann hat uns der Schiedsrichter auf die Tribüne schickt. Ein Eingreifen von Tribüne war nur mehr bedingt möglich. Für mich ist es völlig unverständlich, dass wir vom Spielfeld verbannt wurden. Es wäre völlig unverständlich, wenn Löw deshalb eine Spielsperre erhalten würde. Bei mir ist es ja egal."

Zum Spiel: "Die Mannschaft hat wieder großartig gekämpft und mit großer Leiderschaft gespielt. Wir haben im Spiel nach vorne zu viele Fehler gemacht und Fehlpässe gemacht. Uns ist der entscheide Pass nicht gelungen, daran müssen wir bei den nächsten Trainingslagern intensiv arbeiten. Von der Organisation und dem Defensivverhalten her haben wir sehr gut gespielt. Wir hatten aus einem sensationellen Freistoß den Gegentreffer zu verbuchen."

Weitere Pläne: "Es ist zu früh, darüber zu sprechen. Man muss abwarten. Es wird Gespräche geben in den nächsten Tagen. Ich muss noch genau nachdenken darüber, natürlich ist es letztlich alleine meine Entscheidung. Die Entscheidung muss so schnell wie möglich innerhalb der nächsten 3, 4 Tage fallen, weil schon im August das Spiel gegen Italien stattfindet."

EURO-Resümee: "Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie viel besser ist als ihr Ruf und dass sie auf hohem Niveau mithalten kann. Wir waren noch nicht gut genug zu gewinnen, gegen Polen aber nah dran. Man muss schon konstatieren, dass die Zukunft des österreichischen Fußballs besser sein müsste als die Gegenwart. Aber: Wir haben uns ein Ziel gesetzt, das war das Viertelfinale. Ich habe das Ziel mitgetragen und ein Teamchef muss sich daran messen lassen."

Joachim Löw (Teamchef Deutschland): "Ich bin zumindest mit dem Sieg zufrieden, weil es war eine enorme Drucksituation. Wir hatten am Anfang unsere Chancen, hätten in Führung gehen müssen, haben uns aber insgesamt zu wenige Chancen herausgearbeitet. Aber wir haben den Gastgeber aus dem Turnier geschmissen, sind eine Runde weiter. Im Viertelfinale werden wir uns enorm steigern müssen. Ich traue der Mannschaft einiges zu, aber wir werden einiges besser machen müssen."

Zur Verbannung auf die Tribüne: "Der vierte Mann hat uns versucht zu beruhigen, aber wir sind die Trainer und wollen in der Coaching-Zone unsere Arbeit tun. Ich habe die Coaching-Zone gar nicht verlassen, beide Trainer wollten nur Anweisungen geben."

Andreas Herzog (Teamchef-Assistent Österreich): "So eine Situation habe ich auch noch nie erlebt, die Schiedsrichter sind Selbstdarsteller. Ich glaube, es war eine überzogene Reaktion. Weder Löw noch Hickersberger haben was gemacht, die Schiedsrichter wollten sich in Szene setzen. Sollen ihren Job machen und sich nicht wichtig machen. In der zweiten Hälfte war es für beide nicht so einfach, wenn der Trainer weg ist. Im Großen und Ganzen war es schon so, dass wir Deutschland gefordert haben, aber wir waren nicht so torgefährlich wie erhofft. Deutschland hat daher verdient gewonnen. Alle waren niedergeschlagen in der Kabine."

Andreas Ivanschitz (Kapitän Österreich): "Die Deutschen waren nicht eindeutig besser, sie haben besser begonnen, wir haben in der zweiten Spielhälfte alles versucht. Wir sind unglücklich aus einer Standardsituation in Rückstand geraten. Die Mannschaft hat auch wieder alles gegeben und bis zum Schluss alles versucht. Die Deutschen sind ein klasse Team. Wir haben uns nicht versteckt und auch gut verkauft. Unterm Strich sind wir natürlich enttäuscht, wir wollten ins Viertelfinale kommen. Es war eine große Chance, wir haben sie leider nicht genützt. Wir müssen jetzt nach vorne blicken und alles für die WM-Qualifikation tun."

Martin Harnik (Teamspieler Österreich): "Wir haben alle Erwartungen übertroffen und haben eine gute Leistung gezeigt, es war großteils ausgeglichen. Mit ein bisschen Glück hätten wir vielleicht sogar ein Tor geschafft."

Martin Stranzl (Abwehrchef Österreich): "Deutschland war den Tick besser. Wir hatten schon am Anfang Glück. Die deutsche Mannschaft hat sehr clever gespielt."

György Garics (Abwehrspieler Österreich): "Die Deutschen haben sich aus dem Spiel heraus nicht viele Chancen herausgearbeitet. Nach dem Gegentor ist es halt schwer gegen Deutschland. Danach waren sie auf Konter aus. Wir haben nicht den Druck entwickeln können wie gegen Polen."

Michael Ballack (Siegestorschütze Deutschland): "Es stand für uns viel auf dem Spiel, wir konnten nur gewinnen. Die Mannschaft hat einen großen Fight geliefert. Wir mussten bis zur Schlussminute kämpfen, es war ein superhartes Spiel. Jetzt haben wir weiter hohe Ziele, treffen aber auf eine sehr starke Mannschaft (Portugal)."

Philipp Lahm (Verteidiger Deutschland): "Wir konnten nicht alles auf eine Karte setzen. Die Mannschaft hat diszipliniert und organisiert gespielt. Gegen Portugal müssen wir uns mehr Torchancen erarbeiten." Der auf die Tribüne verbannte Trainer Joachim Löw war laut Lahm nur ganz kurz in der Pause in der Kabine.

Lukas Podolski (Stürmer Deutschland): "Wir können auf jeden Fall besser spielen. Das Wichtigste war, dass wir ins Viertelfinale eingezogen sind. Auf das Portugal-Spiel schaue ich mit Vorfreude."

Friedrich Stickler (ÖFB-Präsident): "Natürlich bin ich sehr enttäuscht. Wir haben eine österreichische Mannschaft gesehen, die alles gegeben hat. Wir haben leider kein Tor geschossen, wenn man kein Tor schießt, kann man nicht gewinnen. Die Deutschen waren stark, sie wären aber zu schlagen gewesen. Leider hat es nicht gereicht. Ich möchte dieser Mannschaft über den Turnierverlauf ein ganz großes Lob aussprechen. Sie haben gekämpft und waren konditionell auf einem sehr guten Stand. Ich glaube, dass wir großes Potenzial haben, wir haben eine Mannschaft, auf die wir bauen können. Mit dieser Mannschaft werden wir in Zukunft noch viel Freude haben. Die EM kam vielleicht ein, zwei Jahre zu früh. Die Spieler, Betreuer haben Österreich viel besser vertreten, als es ihnen viele zugetraut haben."

Zur Zukunft des Teamchefs: "Jetzt verarbeiten wir diese drei Spiele einmal. Wir werden in Kürze die neue oder alte Mannschaft an der Spitze bekannt geben und sagen, wie es an der Spitze weitergeht."

Hans Krankl (Fußball-Rentner): "Am Anfang waren wir konfus, dann haben wir uns gefangen. Wir hatten zu wenige Torchancen. Die Deutschen haben das Spiel kontrolliert, ihnen hätte ja auch ein Unentscheiden genügt. Ich habe Deutschland so wie alle anderen Beobachter nicht gut gesehen. So spielen sie nicht um den EM-Titel mit. Aber sie werden sich sicher steigern."

Franz Beckenbauer (deutsche Fußballlegende): "Vielleicht hat die deutsche Mannschaft das Ergebnis gegen die Kroaten ein wenig durcheinandergebracht. Im Moment ist man in so einer Art Niemandsland, man muss sich da befreien. Gegen Portugal müssen sie jedenfalls besser spielen, sonst wird es das letzte Spiel sein." 

William Gaillard (UEFA-Sprecher): "Es geschieht nicht oft, dass beide Trainer weggeschickt werden. Der Report wird an die Kontroll- und Disziplinarkommission geschickt. Die Strafe hängt vom Schiedsrichter-Report ab. Ich habe keine Information, warum sie auf die Tribüne geschickt wurden. Wir erwarten eine Entscheidung am Dienstag."

Angela Merkel (Bundeskanzlerin Deutschland): "Die Österreicher haben es uns nicht leicht gemacht und waren ein toller Gastgeber. Das war ein spannendes Spiel, das Resultat für Deutschland stimmt. Ich denke noch nicht an das Finale, sondern an den Donnerstag und hoffe, dass wir gegen Portugal gut aussehen."

Alfred Gusenbauer (Bundeskanzler): "Wir hatten die Hoffnung auch nach dem 0:1 nicht aufgegeben, wussten aber, es wird schwer werden. Das Nationalteam hat sich gut verkauft und in allen Spielen gut gekämpft. Wir waren nicht der Prügelknabe, von dem alle vorher geredet haben. Die he. Das Wichtigste ist, dass wir uns sofort auf die WM-Qualifikation 2010 einstellen. Wir müssen auch schauen, dass in der österreichischen Bundesliga der positive Trend weitergeht, wir hatten heuer eine Steigerung von 15 Prozent bei den Zusehern. Ich glaube, dass die Menschen in Österreich auch nach dem Ausscheiden Österreichs die EURO weiter begeistert verfolgen werden. Mir bleibt in Erinnerung, dass wir ein junges Team mit außerordentlich talentierten Spielern haben. Es war das Glück nicht immer auf unserer Seite, das kommt vor. Aber die Österreicher haben sich nie entmutigen lassen, das ist wichtig."

Felix Gottwald (Doppel-Olympiasieger Nordische Kombination): "Das wird schon noch mit dem österreichischen Nationalteam. Ich habe auch vier olympische Spiele gebraucht, um Gold zu holen. Wenn wir Patrioten sind, muss man sagen, Österreich hat gegen den künftigen Sieger verloren. Ich glaube aber, dass es Holland wird."

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