Di, 21. November 2017

Vielgesuchter Nazi

16.06.2008 18:56

Nazi-Kriegsverbrecher in Klagenfurter Fanzone

Einer der meistgesuchten mutmaßlichen Nazi-Kriegsverbrecher soll die Fanzone in Klagenfurt besucht haben, um gemeinsam mit den kroatischen Fans zu feiern. Der 95-jährige Milivoj Asner lebt seit Jahren in der Kärntner Hauptstadt, seine Wohnung befindet sich nur wenige Schritte von der Fanzone entfernt. Eine Auslieferung an Kroatien ist jedoch bisher aus gesundheitlichen Gründen abgelehnt worden.

Laut Manfred Herrnhofer, Sprecher des Landesgerichts Klagenfurt, könne Asner nicht abgeschoben werden, da er "schwerst dement" und weder vernehmungs- noch prozessfähig sei. Ein etwaiger Besuch in der Fanzone sei aber nicht ausgeschlossen. Auch der Sprecher des Justizministeriums, Thomas Geiblinger, sagte, dass Asner zwei psychiatrische Gutachten vorgelegt habe, die ihm Verhandlungs- und Vernehmungsunfähigkeit bescheinigten. "Uns sind die Hände gebunden", so Geiblinger.

Die Klagenfurter Polizei konnte bislang nicht bestätigen, dass Asner tatsächlich feiernd mit den kroatischen Fans gesehen worden sei. "Wir haben diese Information nur aus den Medien", so ein Sprecher. Die britische Boulevardzeitung "The Sun" berichtete unter dem Titel "Wir fanden einen gesuchten Nazi beim Fußball" ausführlich über den Stadtspaziergang Asners. Der 95-Jährige sei rund eine Meile (1,61 km) ohne Stock seelenruhig durch die Innenstadt spaziert, heißt es in dem Artikel. Auf Fotos, auf denen er einen rüstigen Eindruck macht, ist Asner Arm in Arm mit einer Frau gehend und in einem Cafe sitzend zu sehen.

Nummer vier auf Liste der meistgesuchten Nazis
Auf der vom Simon-Wiesenthal-Zentrum veröffentlichten aktuellen Liste der meistgesuchten mutmaßlichen Nazi-Kriegsverbrecher nimmt Asner den vierten Platz ein. Er soll als Polizist des faschistischen Ustascha-Regimes in Kroatien für Verbrechen an der Zivilbevölkerung, Deportationen in Konzentrationslager sowie Raub und Vertreibung während des Zweiten Weltkriegs verantwortlich gewesen sein. Opfer damals waren vor allem Juden, Serben und Roma. Asner war damals Polizeichef von Pozega.

Nach der kommunistischen Machtübernahme in Jugoslawien flüchtete Asner nach Österreich und wurde 1946 eingebürgert. 1991 kehrte er wieder nach Kroatien zurück, nachdem das Land die Unabhängigkeit erlangt hatte. Als die Staatsanwaltschaft in Pozega Ermittlungen gegen ihn aufnahm, floh der mutmaßliche Kriegsverbrecher erneut nach Österreich und lebt seither in Klagenfurt.

Asner streitet Vorwürfe ab
Befragt von der "Sun", habe Asner laut Bericht alle Vorwürfe abgestritten. "Das ist doch lächerlich. Ich war nur ein Beamter im Justizministerium, ein Rechtsanwalt. Ich habe niemals jemandem etwas Böses angetan", wurde Asner zitiert. Die Zeitung hörte sich auch bei den Nachbarn Asners in Klagenfurt um. Einer habe "geprahlt", dass ihm gegenüber ein "SS-Mann" wohne.

"Paradies für Kriegsverbrecher"
"Österreich hatte lange den Ruf, ein Paradies für Kriegsverbrecher zu sein, und jetzt wurden sie auf frischer Tat ertappt", wird der Chef des Wiesenthal-Zentrums, Ephraim Zuroff von der britischen Zeitung zitiert. Wenn jemand gesund genug sei, ohne Hilfe herumzuspazieren, "dann sollte er auch gesund genug sein, sich für seine Vergangenheit zu verantworten", forderte Zuroff eine Auslieferung Asners an Kroatien.

Der "Sun"-Artikel erregte auch in Kroatien Aufsehen. "Die Fotos von den Klagenfurter Straßen werfen ein neues Licht auf die Entscheidung der österreichischen Behörden, dass Asner wegen seines angeschlagenen Gesundheitszustands nicht verhandlungsfähig ist", schrieb die Zeitung "Jutarnji list".

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden