Fr, 24. November 2017

Eroberungszug

16.06.2008 17:54

Civilization Revolution

Strategie und Konsole – das sind zwei Dinge, die bislang, meist aufgrund der Steuerung, nicht so recht zusammenpassen wollten. Dass es auch anders gehen kann, will nun Entwickler-Legende Sid Meier unter Beweis stellen. Mit "Civilization Revolution" bringt er die seit über 15 Jahren überaus erfolgreiche "Civilization"-Reihe auf Xbox 360, PS3 und Nintendo DS.

Am Spielprinzip wurde bei der Portierung auf die Konsole nicht gerüttelt: Als eine von insgesamt 16 Persönlichkeiten der Weltgeschichte, von Caesar und Cleopatra über Ghandi und Mao bis hin zu Napoleon, Otto von Bismarck oder Russen-Zarin Katharina, gilt es in der Einzelspielerkampagne des rundenbasierten Strategiespiels, die Geschicke einer Zivilisation von der Antike an zu lenken und so über die Jahrhunderte das eigene Volk zu Ruhm und Wohlstand zu führen. Der Weg zum Sieg führt dabei jedoch nicht nur über kriegerische Auseinandersetzungen, sondern kann auch mit Hilfe kultureller, wirtschaftlicher oder technologischer Errungenschaften erlangt werden.

Ganz gleich, für welchen Weg man sich entscheidet: Zu Beginn steht, je nach gewählter Zivilisation, meist nur ein einsamer Siedlertrupp zur Verfügung, der sich rasch in einem möglichst rohstoffreichen Gebiet niederlassen sollte. Ist die erste Stadt gebaut, können Krieger produziert und somit die nähere Umgebung erkundet werden. Während dieser Expeditionen findet man nicht nur diverse Artefakte, die Gold in die eigenen Kassen spülen, sondern trifft auch auf unliebsame Barbarenstämme und benachbarte Zivilisationen.

Wie man diesen gegenüber tritt, bleibt dem Spieler überlassen. Erklärt man dem Nachbarn zu Lande, zu Wasser und in der Luft den Krieg, bedeutet dies im Normalfall jahrzehntelange und kräftezehrende Querelen, schlimmstenfalls jedoch auch den Untergang der eigenen Zivilisation. Wer hingegen siegt, darf sich über Landgewinn und neue Städte freuen. Setzt man stattdessen auf friedliche Diplomatie im Umgang mit den umliegenden Völkern, so können Wissen und Technologien untereinander getauscht werden und der Handel florieren.

Grundvoraussetzung dafür, dass die eigene Zivilisation gedeiht, ist die Entwicklung neuer Technologien. Diese ermöglichen, dass das eigene Volk zufriedener und produktiver ist und sich neue Einheiten oder Gebäude produzieren lassen. Während sich die Auswahl anfangs auf die Erforschung einiger weniger Technologien beschränkt, etwa auf die Schrift, die Bronzeverarbeitung oder die Steinmetzkunst, so kann der Spieler schon bald aus einer Vielzahl von Technologien wählen. Ob man die richtige Entscheidung getroffen hat, entscheidet sich spätestens dann, wenn vor der eigenen Stadt schwere Panzer stehen, während man selber noch mit Pfeil und Bogen hantiert und den Feudalismus predigt.

Was auf den ersten Blick recht komplex zu sein scheint, lässt sich dank eines ausführlichen Tutorials im einfachsten von insgesamt fünf Schwierigkeitsgraden sowie der unkompliziert gehaltenen Steuerung schnell beherrschen. Mehr als die vier Buttons sowie beide Analogsticks braucht es im Normalfall nicht, um sich durch die übersichtlichen Menüs zu navigieren. Welcher Knopf für welche Aktion zu drücken ist, wird zudem stets angezeigt, so dass es erst gar nicht zu Verwirrungen kommen kann. Störend ist allerdings, dass in jeder Runde jede Stadt sowie jede aktive Einheit der Reihe nach automatisch aufgerufen wird, um neue Aktionen in die Wege leiten zu können. Wer viele Städte und Einheiten sein Eigen nennt, diesen aber keine Befehle zu erteilen hat, klickt sich gerade am Ende eines Spiels meist dumm und dämlich.

Damit lässt sich allerdings leben, fesselt "Civilization Revolution" für die Konsole trotz des seit Jahren unveränderten Spielprinzips doch genauso wie einst die PC-Version. Mit ein Grund dafür, dass einem nicht so schnell langweilig wird, sind neben den insgesamt 16 unterschiedlichen Kulturen, die auf vier Wegen zum Sieg geführt werden können, die diversen Spielmodi. Im Einzelspielermodus stehen neben der klassischen Einzelspielerkampagne auch bestimmte, an Siegbedingungen geknüpfte Szenarios oder das "Spiel der Woche" zur Auswahl. Bei Letzterem handelt es sich um eine beliebig oft spielbare Karte, die jeden Sonntag von den Entwicklern via Xbox-Live als Download zur Verfügung gestellt wird und für alle Spieler die gleichen Bedingungen parat hält. Die besten und schnellsten Siege werden nach Schwierigkeitsgrad unterteilt online veröffentlicht.

Wer sich hingegen direkt mit anderen Spielern messen möchte, greift auf den Multiplayer-Modus zurück. Bis zu vier Spieler können dann über Xbox-Live oder LAN alleine oder im Team mit zusätzlichen KI-Gegnern "zivilisieren". Wie viel Zeit jedem Spieler dabei pro Runde zur Verfügung steht, kann festgelegt werden. Wer möchte, kann sich auf Knopfdruck auch in bereits laufende Partien einklinken.

Rein optisch macht "Civilization Revolution" eine gute Figur, so detailverliebt wie bei den Siedlern oder so opulent wie bei "Herr der Ringe - Schlacht um Mittelerde" fällt die im Comic-Look gehaltene Präsentation jedoch nicht aus. Schade ist zudem, dass man nicht etwas näher heranzoomen kann, um sich an den prächtig gedeihenden Städten zu erfreuen. Musik und Sound halten sich dezent im Hintergrund, was man vom Gebrabbel der dem Spieler zur Seite stehenden Berater jedoch leider nicht behaupten kann.

Fazit: "Civilization Revolution" ist "Civilization", wie es leibt und lebt, auch auf der Konsole. Ohne lange Einarbeitungszeit weiß das Strategiespiel dank simpler Bedienung auf Wochen zu fesseln, ist mit dem Multiplayer-Modus sowie dem "Spiel der Woche" doch ausreichend für Strategie-Nachschub gesorgt. Der fordernde Schwierigkeitsgrad dürfte dabei auch ausgefuchste Strategen auf Trab halten. Über die im Vergleich zu anderen Genrevertretern etwas abgespeckte Optik lässt sich aufgrund des hohen Suchtpotenzials getrost hinwegsehen.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, DS
Publisher: Take2
Krone.at-Wertung: 8/10


von Sebastian Räuchle

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