Fr, 15. Dezember 2017

Italien jubelt

18.06.2008 14:12

Weltmeister Italien schlägt Frankreich 2:0

Italien hat am Dienstagabend im letzten Gruppenspiel doch noch den Kopf aus der Schlinge gezogen: Die "Squadra Azzurra" besiegte im Züricher Letzigrund-Stadion Vize-Weltmeister Frankreich verdient mit 2:0 (1:0) und schaffte damit den Einzug ins Viertelfinale. Die Tore für den Weltmeister erzielten Andrea Pirlo in der 25. Minute per Foul-Elfmeter sowie Daniele De Rossi per abgefälschtem Freistoß (62.). Am Sonntag kommt es nun im Wiener Ernst-Happel-Stadion zum großen "Süd-Gipfel", denn im Viertelfinale wartet niemand Geringerer als Erzrivale Spanien auf die "Squadra Azzurra". Bei den Franzosen hat sich inzwischen herausgestellt, dass Franck Ribery doch keinen Unterschenkelbruch, sondern "nur" eine Knöchelverstauchung erlitten hat.

Der Aufstieg der Italiener wurde erst durch den 2:0-Sieg von Gruppensieger Niederlande im Parallelmatch gegen Rumänien möglich. Die Karpatenkicker müssen nun genauso wie Frankreich bereits nach der Gruppenphase die Koffer packen.

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Vor dem Spiel gegen den Weltmeister hatte Frankreichs Teamchef Raymond Domenech auf die schwache Defensivleistung seiner Truppe beim 1:4-Debakel gegen die Oranjes reagiert und ließ die von den Medien hart kritisierten Lilian Thuram und Willy Sagnol auf der Ersatzbank Platz nehmen, statt ihnen kamen in der Viererkette Abidal und Francois Clerc zum Zug. Italiens Coach Roberto Donadoni ließ erstmals im Turnier Antonio Cassano von Beginn an spielen.

Die Nerven lagen in beiden Lagern blank, schließlich hing das K.o. wie ein Damoklesschwert über beiden Mannschaften. Der Weltmeister hätte bereits in der Anfangsphase in Führung gehen können, doch Luca Toni setzte den Ball nach schwerem Abidal-Schnitzer ganz alleine vor Schlussmann Gregory Coupet knapp neben die linke Stange (4.) und Claude Makelele rettete nach Kopfball von Christian Panucci auf der Linie (11.).

Knöchelverstauchung bei Ribery
Zudem widerfuhr den "Bleus" eine bittere personelle Schwächung, denn Spielgestalter Franck Ribery musste nach einem Foul an Gianluca Zambrotta bereits nach wenigen Minuten mit Verdacht auf Unterschenkelbruch verletzt vom Platz (10.). Der Verdacht hat sich zum Glick nicht bestätigt, Ribery hat sich "nur" eine schmerzhafte Verstauchung des linken Knöchels zugezogen. "Franck geht mit Krücken, er kann mit dem linken Fuß nicht auftreten", sagte Coach Domenech am Mittwoch.

Kurz nach Riberys Verletzung gab es im Match gleich die nächste schlechte Nachricht, denn Thuram-Ersatzmann Abidal holte im Strafraum Luca Toni von den Beinen. Schiedsrichter Lubos Michel entschied auf Elfer und Rot für Abidal. Pirlo, der nach der zweiten gelben Karte ebenso wie Gattuso für das Viertelfinale gesperrt ist, ließ sich die Chance nicht nehmen und verwertete ins linke Eck zu seinem siebenten Tor für Italien (24.).

Danach spielte Italien Frankreich einige Minuten an die Wand und hätte bei hochkarätigen Chancen durch Daniele de Rossi (27./drüber) und Toni (28., 30., 30./jeweils daneben), der seine Knipserqualitäten offenbar in München vergessen hat, die Führung ausbauen können. Ein Freistoß von Fabio Grosso landete an der linken Stange (44.). Von den Franzosen war offensiv ganz wenig zu sehen, lediglich Flachschüsse von Karim Benzema (15.) und Thierry Henry (34./jeweils daneben) erzeugten annähernd Gefahr.

Henry lenkt Freistoß ins eigene Tor ab
Kurz nach dem Wechsel kam Hoffnung bei den Franzosen auf, denn Benzema (50.) und Henry (52.) kamen zu Möglichkeiten. Wenig später brandete Riesenjubel im italienischen Fanblock auf, als die Kunde von der niederländischen Führung die Runde machte. Endgültig die Weichen Richtung Viertelfinale wurden dann in der 62. Minute mit dem 2:0 gestellt. Ein Freistoß-Kracher von De Rossi wurde von Henry unhaltbar abgefälscht.

Dass es nicht doch noch spannend wurde, dafür sorgte Italiens Keeper Gianluigi Buffon, der gegen Benzema eine herrliche Parade zeigte (74.). Buffon war es auch gewesen, der mit einem gehaltenen Elfmeter im Match gegen Rumänien (1:1) gegen Adrian Mutu dafür gesorgt hatte, dass die Italiener vor dem Frankreich-Match überhaupt noch eine Aufstiegschance hatten. Die Italiener haben damit (Elferschießen ausgenommen) den ersten Sieg über Frankreich in der regulären Spielzeit seit genau 30 Jahren gefeiert. Bei der WM 1978 hatte es in Argentinien ein 2:1 gegeben.

Rumänien und Frankreich können sich damit so wie Österreich auf die anstehende WM-Qualifikation 2010 konzentrieren, alle drei Teams stehen ja gemeinsam in einer Quali-Gruppe. Dass die "Bleus" aber auch gegen die Österreicher noch von Domenech betreut werden, scheint seit Dienstagabend unwahrscheinlich bis ausgeschlossen.

Federer und Massa im Stadion
Unter den 30.500 Fans im Letzigrund befanden sich u.a. auch FIFA-Boss Joseph Blatter, der Schweizer Tennis-Weltranglistenerste Roger Federer, Formel-1-Pilot Felipe Massa sowie Basketball-Superstar Tony Parker und seine Schauspieler-Gattin Eva Longoria Parker.

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