Fr, 24. November 2017

„Merci Köbi“

16.06.2008 16:21

Schweizer EM-Abschied mit Stolz und Wehmut

Mit einer Mischung aus Stolz und Wehmut hat sich die Schweiz am Sonntag in Basel von der EURO 2008 verabschiedet. Mit dem 2:0 zum Abschluss der Gruppe A gegen Portugals B-Elf fuhren die Eidgenossen im neunten Versuch endlich den ersten EM-Sieg der Geschichte ein, trauerten aber gleichzeitig der durch die knappen Niederlagen gegen Tschechien (0:1) und die Türkei (1:2) verspielten Viertelfinal-Chance hinterher.

So sah auch Köbi Kuhns Gefühlswelt nach seinem 73. und letzten Match als Teamchef der "Nati" zwiespältig aus. "Ich freue mich natürlich riesig über diesen Sieg zum Abschied. Allerdings sind auch Wermutstropfen dabei. Denn eigentlich hätten wir uns in den ersten beiden Spielen jeweils mindestens einen Punkt verdient gehabt, und das hätte fürs Viertelfinale gereicht. Leider müssen wir jetzt nach Hause fahren. Es wäre mehr drin gewesen. Trotzdem haben wir das Wichtigste erreicht, denn wir haben den Fans Freude bereitet und drei sehr gute Leistungen geschenkt."

Kuhn ist sich sicher, "dass die Nationalmannschaft weiter in den Herzen der Zuschauer bleiben wird". Genauso wie sich die Spieler bei ihrem Trainer mit dem nach dem Match ausgerollten "Merci Köbi"-Plakat bedankten, tat dies Kuhn auch umgekehrt. "Viele der Spieler kenne ich seit vielen, vielen Jahren. Einige habe ich zwölf Jahre lang begleitet. Ich kann nur zurückdanken, denn die Spieler haben mir wunderbare Zeiten beschert."

"Toller Abschluss für unser Publikum"
Hauptverantwortlich dafür, dass zumindest der EM-Abschluss vollauf gelungen ist, war Doppeltorschütze Hakan Yakin. "Das war ein toller Abschluss für unser Publikum. Und für unseren Trainer hätte es keinen schöneren Abgang geben können", erklärte der 31-Jährige, der die siebenjährige Ära Kuhn vom Anfang bis zum Ende als Teamspieler miterlebt hat.

Das gilt auch für Pascal Zuberbühler, der am Sonntag so wie Kuhn seine Teamkarriere beendet hat. Und Zubi erhielt von Köbi zum Abschluss noch seinen 51. Länderspieleinsatz geschenkt. Der 37-Jährige zeigte gegen Nani und Co. einige sensationelle Paraden und avancierte so zu einem der Väter des Sieges. "Mit dem ersten EM-Sieg haben wir Geschichte geschrieben", meinte Zuberbühler, der jedoch wehmütig hinzufügte: "Unterm Strich überwiegt die Enttäuschung, dass wir ausgeschieden sind. Wir hätten viel, viel mehr schaffen können."

"Hätten mehr erreichen können"
Johan Vonlanthen bezeichnete die 1:2-Niederlage gegen die schlussendlich ins Viertelfinale aufgestiegenen Türken als "das absolute Schlüsselspiel". "Wir hätten bei dieser EM um einiges mehr erreichen können", wusste auch der Salzburg-Legionär, der die Chancenauswertung als Grund allen Übels ausmachte. "Wir haben unsere zahlreichen Möglichkeiten nicht genutzt und sind dafür bitter bestraft worden. Aber unsere Zeit kommt noch", ist sich Vonlanthen sicher.

Der 22-Jährige ist einer von vielen jungen Spielern, auf die auch Kuhns Nachfolger Ottmar Hitzfeld zurückgreifen kann und wird. "Hitzfeld tritt eine anständige Erbschaft an", versicherte Kuhn. "Die Mannschaft ist jung, teilweise sehr jung. Aber sie bringt trotzdem schon einige Erfahrung mit und kann sich sicher auch noch steigern. Ich wünsche Ottmar alles Gute und möchte die Nationalmannschaft als Zuschauer und Fan weiter begleiten."

Scolari übt Selbstkritik
Portugals Teamchef Luiz Felipe Scolari hat nach dem 0:2 Selbstkritik geübt. Allerdings nicht wegen der ersten Niederlage seiner Truppe im Turnierverlauf, sondern aufgrund seiner Aufstellungswahl. "Ich bin ein Risiko eingegangen, das hätte ich nicht tun sollen. Ich habe einen Fehler gemacht", erklärte Scolari und meinte damit die Gelben Karten, die Österreichs EM-Referee Konrad Plautz am Sonntagabend gegen den einen oder anderen seiner Schlüsselspieler zückte.

Plautz verwarnte seitens Portugals das Quartett Paulo Ferreira, Jorge Ribeiro, Fernando Meira und Miguel. Vor allem die Gelben gegen Ferreira, der bei den beiden Auftaktsiegen gegen die Türkei und Tschechien durchspielte, und Fernando Meira, der jeweils als Joker kam, dürften dem Brasilianer übel aufstoßen. "Diese Gelben Karten werden ins Viertelfinale mitgenommen."

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