Di, 21. November 2017

Wundenlecken

17.06.2008 12:06

Österreicher nach verpasstem Wunder frustriert

Viele österreichische Fans haben Montagabend auf ein "Cordoba 2", ein "Wunder von Wien" gehofft. Doch die österreichische Nationalmannschaft musste sich gegen die Deutschen mit 0:1 geschlagen geben. In den randvollen Fanzonen herrschte in ganz Österreich dennoch euphorisch-patriotische Stimmung, auch wenn es nach dem Match lange Gesichter unter den Österreichern gab. Für die Polizei war es, wie bei der EURO gewohnt, ein großteils ruhiger Abend, Innenminister Günther Platter zog ein positives Resümee. Einzig in Wien wurden in der Nacht auf Dienstag 21 gewaltbereite Österreicher sowie ein Deutscher und ein Pole vorübergehend verhaftet (mehr dazu in der Infobox).

Doch großteils blieb alles ruhig. Die heimischen Fans trauerten gefasst, nur zögerlich setzte der Jubel bei den Deutschen in der Wiener Fanzone ein. Die Chöre der rot-weiß-roten Menschenmasse zwischen Rathaus und Heldenplatz verstummten mit fortschreitendem Spiel zusehends, nach der Niederlage blieben einige Österreich-Fans allerdings noch mit lautstarken Anfeuerungsrufen für die Mannschaft der Alpenrepublik zurück.

Erstaunlich ruhige Deutsche
Der Großteil der rund 70.000 Besucher machte sich jedoch mit verfinsterter Miene auf den Heimweg, einige Gruppen hatten bereits 15 Minuten vor Spielende enttäuscht die Partymeile verlassen. Erstaunlich ruhig blieben die Deutschen nach ihrem 1:0-Treffer. Erst kurz nach dem Sieg ertönten die ersten zaghaften Jubelrufe. Gegen die anhaltenden "Immer wieder Österreich"-Chöre der rot-weiß-roten Fans hatten sie jedoch erst knapp eine Viertelstunde nach Matchende eine Chance.

Mehr Bilder aus den Fanzonen in der Infobox!

13.100 Fans im Wiener Hanappi-Stadion
Auch die neu eröffnete Fanzone im Hanappi-Stadion wurde gut angenommen. 13.100 Fans hatten laut Heimo Hanserl vom Stadt-Wien-Marketing in Hütteldorf das Spiel verfolgt.

In Klagenfurt feierten die Kroaten
In der Host City Klagenfurt war die Stimmung zweigeteilt: Während nach der Niederlage Österreichs gegen Deutschland in der Fanzone auf dem Neuen Platz ein Bild des Elends herrschte, gab es im Public-Viewing-Bereich auf dem Messegelände, wo das Spiel der Kroaten gegen Polen übertragen wurde, grenzenlosen Jubel. Dieser herrschte natürlich auch im Wörthersee-Stadion, wo Zigtausende kroatische Fans den dritten Sieg ihrer Elf in der Vorrunde bejubeln durften.

Fanzone und Bergisel in Innsbruck prall gefüllt
Auch in Innsbruck hat das Match Österreich-Deutschland keinen kalt gelassen. Die Fanzonen in der Innenstadt und am Bergisel waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Die deutschen Besucher befanden sich zwar in der Unterzahl, feierten aber dafür umso lauter. Die Polizei meldete keine größeren Zwischenfälle. "Die deutsche Nationalelf sitzt in Wien mit ganz viel Angst in der Hose", hatte der "König von Mallorca" Jürgen Drews noch bei seinem Auftritt noch vor dem Anpfiff erklärt. Knapp 6.000 Leute feierten mit ihm auf dem Landhausplatz und sangen Hits wie "Ein Bett im Kornfeld" lautstark mit. "Nichts geht mehr", hieß es schon vor Spielbeginn in allen Fanbereichen, zahlreiche Fußballbegeisterte mussten warten oder das Match in einem der vielen Lokale verfolgen.

Fast 15.000 Menschen wurden am vollen Bergisel gezählt. In dem rot-weiß-roten Meer fand sich eine "weiße" Gruppe von 500 Personen. Nach dem Führungstreffer der Deutschen feierte sie besonders ausgelassen: Die Fans von Ballack & Co. bejubelten ihre Mannschaft stehend, während die ernüchterten österreichischen Besucher das Spiel im Sitzen verfolgten.

Randvolle Salzburger Partymeile
In der Salzburger Partymeile haben die Fans noch bis zum Schluss an die Chance geglaubt, aber nach dem Abpfiff verließen viele mit hängenden Köpfen die Fanzone der Mozartstadt. 22.000 Besucher waren laut Polizei gekommen, einzelne Eingänge mussten daher auch geschlossen werden, eine generelle Sperre war nicht notwendig.

EUROphorie auch in St. Pölten und Linz
Euphorisch-patriotische Stimmung gab es beim Spiel auch in der Public-Viewing-Zone von St. Pölten. 6.000 mehrheitlich rot-weiß-rote Fans sorgten für lautstarke Anfeuerung und kräftige Unterstützung der Hickersberger-Elf. Am Ende verließen trotz des Resultats die meisten Besucher das Areal nicht unzufrieden. "Immer wieder, immer wieder, immer wieder Österreich", schallte es in den ersten 45 Minuten der Partie immer wieder von den Zusehern. In der Public-Viewing-Zone am Urfahrener Jahrmarktgelände in Linz hat es beim "Schicksalsspiel" gleich zwei "kalte Duschen" gegeben. Ziemlich zeitgleich setzte Regen ein, auf der Anzeigetafel war das 0:1 zu sehen. Das drückte auf die Stimmung, Katzenjammer brach aber auch nicht aus. Zwischenfälle wurden ebenfalls nicht gemeldet.

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