Fr, 15. Dezember 2017

Tschechien weint

16.06.2008 15:55

Türkei gewinnt nach unglaublicher Aufholjagd 3:2

Nach einem unglaublichen Kraftakt hat die Türkei am Sonntagabend gegen Tschechien mit 3:2 gewonnen und sich für das Viertelfinale qualifiziert. Eine Viertelstunde vor Schluss sahen die Tschechen mit einer 2:0-Führung im Rücken wie der sichere Sieger aus. Doch Arda und Nihat (2) drehten die Partie und schossen den Gegner in ein Tal der Tränen. Im Viertelfinale wartet nun Kroatien auf die Türken.

Die Partie begann gleich mit einem Kuriosum: Der schwedische Schiedsrichter Fröjdfeldt machte noch im Kabinengang den türkischen Verteidiger Servet darauf aufmerksam, dass er sein Schuhwerk wechseln möge, weil die Stollen nicht den UEFA-Regularien entsprachen. Kurz vor Anpfiff des Spiels schickte der Unparteiische Servet vom Feld – weil auch die Ersatzschuhe nicht in Ordnung waren. Erst das dritte Paar passte dann und das Spiel begann mit fünf Minuten Verspätung.

In einer hektischen und von beiden Teams nervös geführten Anfangsphase war Tschechien die aktivere Mannschaft. Besonders die starken Sionko, Jankulovski und der baumlange Koller im Sturm waren immer wieder Brandherde im türkischen Strafraum. Die Elf von Fatih Terim versuchte mit vielen versteckten Fouls, den Spielfluss der immer stärker werdenden Tschechen zu stören. In der Offensive blieb der WM-Dritte von 2002 meist ungefährlich.

Koller nicht zu halten
Tschechien operierte viel mit weiten Bällen auf Jan Koller, der immer wieder für seine Mitspieler abtropfen ließ oder selbst den Torabschluss suchte. In der 34. Minute mit Erfolg: Nach einer schönen Kombination über die rechte Seite spielte Grygera eine Flanke in die Mitte, wo Koller bedrängt von zwei Verteidigern ins Tor köpfte. Torhüter Volkan war mit den Fingerspitzen dran, konnte den Gegentreffer jedoch nicht verhindern.

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Bereits zuvor lag der Führungstreffer der Tschechen mehrmals in der Luft. Koller köpfte knapp drüber (11.), die Schüsse von Matejovsky (17.) und Sionko (25.) sorgten für große Gefahr im gegnerischen Strafraum. Die in der ersten Halbzeit schwachen Türken strahlten nur durch Tuncay (Schuss aus 25 Metern/17.) und Servet (Kopfball in die Arme von Cech/31.) ein bisschen Torgefahr aus.

Tschechien verpasst 2:0 vor der Pause
Kurz vor dem Pausenpfiff wollten die Tschechen nachlegen und fanden zwei Möglichkeiten vor. Zunächst scheiterte der 2,02 Meter große Koller mit einem Kopfball (42.), in der Nachspielzeit der ersten Spielhälfte konnte ein türkischer Verteidiger gerade noch einen strammen Schuss von Sionko blocken.

In der Pause müssen wohl harte Worte von Fatih Terim gefallen sein, denn die Türken starteten furios in die zweite Spielhälfte. Dank der Flügelzange Arda (links) und Sabri (rechts) schnürten sie die Tschechen ein. Die Vierer-Abwehr um Ujfalusi und Torhüter Cech ließen jedoch nur wenig anbrennen. Nach einem Kopfball von Tuncay (53.) musste der tschechische Schlussmann eingreifen.

Plasil sorgt für vermeintliche Entscheidung
Nach rund einer Stunde Spielzeit nützten die Tschechen den sich bietenden Platz in der Offensive mehr und mehr. Ein Torerfolg ließ auch nicht lange auf sich warten. Zunächst scheiterte Koller völlig allein stehend vor Volkan mit einem schwachen Schuss (61.), wenige Sekunden später verwertete Plasil eine scharfe Flanke von Sionko in Kung-Fu-Manier zum 2:0 (62.).

In der 71. Minute war es wieder der bärenstarke Sionko, der eine gefährliche Flanke in den türkischen Strafraum beförderte. Dort köpfte Polak zunächst an den Pfosten, im Anschluss traf Verteidiger Asik Polak mit dem Fuß am Kopf. Der eigentlich fällige Elfmeterpfiff von Fröjdfeldt blieb jedoch aus.

Stattdessen erzielte die Türkei den Anschlusstreffer: Sabri spielte von rechts einen Pass in den Rücken der Abwehr, Arda kam frei zum Schuss und erzielte das 1:2 (75.).

Unglaubliche Schluss-Viertelstunde
Unfassbar, was sich dann in den letzten Spielminuten abspielte: Zunächst ließ Cech nach einer harmlosen Flanke von Altintop den eigentlich sicher gefangenen Ball fallen, Nihat schoss ein (87.). Doch damit nicht genug: Der Torschütze zum 2:2 wurde perfekt angespielt, lief alleine auf Cech zu und versenkt den Ball im Tor (89.). 3:2!

In der Nachspielzeit vergab Koller die große Chance zum Ausgleich für Tschechien in diesem verrückten Spiel. Zu allem Überfluss sah der türkische Schlussmann Volkan kurz danach die rote Karte wegen einer Tätlichkeit an Koller. Bis zum Schlusspfiff musste also Feldspieler Tuncay ins Tor, weil das Wechselkontingent der Türken bereits erschöpft war.

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