Fr, 24. November 2017

Feiger Mord in Melk

16.06.2008 14:01

Mann erschießt Ehefrau durch Windschutzscheibe

Blutiges Ende einer Beziehungstragödie in Artstetten in Niederösterreich: Nach dem sonntäglichen Kirchgang lauerte ein Landwirt seiner in Trennung lebenden Frau auf. Als die 57-Jährige mit ihrem Auto vor ihrer neuen Wohnung hielt, schoss ihr der Täter durch die Scheibe in den Hals. Dann ließ der 63-Jährige die sterbende Frau zurück und verschanzte sich in seinem Bauernhof. Nach einem Feuergefecht, bei dem Herbert P. einen Schulterdurchschuss erlitt, wurde der Mann überwältigt.

Seit Jahren schon hing der Haussegen in der Familie schief. Johanna P. hatte ihren Mann verlassen, auch drei der vier gemeinsamen Kinder wollten von dem als Eigenbrötler beschriebenen Landwirt nichts mehr wissen. Als die 57-jährige Frau schließlich einen endgültigen Schlussstrich zog und die Scheidung einreichte, dürfte ihr Mann seinen heimtückischen Plan gefasst haben.

Der Landwirt, der seit einem Unfall bei einer Sozialversicherungsanstalt arbeitete, zechte die ganze Nacht auf Sonntag durch und fuhr dann mit dem Wagen vor die Wohnung seiner Frau. Dort harrte er mit einem Jagdgewehr in seiner Hand aus, bis Johanna P. vom Gottesdienst heimkam.

Geschockte Tochter fand sterbende 57-Jährige
Noch im Auto sitzend wurde die 57-Jährige von einer Kugel, die durch die Scheibe peitschte, im Hals getroffen. Der Verdächtige ließ das blutende Opfer zurück und verschanzte sich in seinem zwei Kilometer entfernten Hof. Kurz darauf fand eine Tochter ihre sterbende Mutter und alarmierte geschockt die Polizei: "Hilfe, das kann nur der Papa gemacht haben."

Nachdem der Bauernhof umstellt worden war, versuchten die Beamten, den Täter zur Aufgabe zu bewegen. Doch dieser drohte den Verhandlern: "Wenn ich nur eine Uniform sehe, dann erschieße ich mich!"

Sohn wollte Täter zur Aufgabe überreden
Indes traf auch Sohn Herbert, das einzige von vier Kindern, das nach der Ehekrise noch in Kontakt mit seinem Vater stand, aus Wien beim Elternhaus ein. Er durchbrach alle Sperren und betrat auf eigene Faust den Innenhof. "Ich gehe hinein, mir wird der Papa schon nichts antun." Doch auch der tapfere 36-Jährige konnte den Täter nicht überreden, sich mit erhobenen Händen zu ergeben. Zu diesem Zeitpunkt wussten beide aus verhandlungstaktischen Gründen noch nicht, dass Johanna P. bereits gestorben war.

Herbert P. erlitt Schulterdurchschuss - Polizeihund getötet
Als der 36-Jährige wieder in Sicherheit war, entschlossen sich die Cobra-Beamten gegen 14 Uhr zum Zugriff. Nachdem der Bewaffnete durch ein Geräusch abgelenkt worden war, schickten die Beamten einen Hund in den Innenhof, der den 63-Jährigen stellen sollte. Als Herbert P. den Kommissar auf vier Pfoten bemerkte, feuerte er auf diesen. Als die Beamten die Schüsse hörten, kam es im Haus zu einem Schusswechsel. "Durch einen gezielten Treffer in die Schulter wurde der Täter außer Gefecht gesetzt, und wir überwältigten ihn", so ein Ermittler vom Landeskriminalamt. Während der Verletzte von der Rettung ins Krankenhaus gebracht wurde, starb der Polizeihund (in der Decke im Bild links).

Unklarheit um Waffenbesitz
Wie Chefinspektor Leopold Etz vom LKA Niederösterreich mitteilte, hatte die Bezirkshauptmannschaft die Waffen des Mannes 2005 eingezogen. Ob die Abnahme später wieder rückgängig gemacht wurde beziehungsweise welche Waffen der Verdächtige verwendete, war zunächst nicht zu erfahren.

Nachbarn des Tatverdächtigen geschockt
Die Nachbarn des Verdächtigen in dem kleinen Ort sind schockiert über die Bluttat. Der Mann, der im Elternhaus - einer kleinen Landwirtschaft - wohnt und einen Jagdschein hat, sei immer hilfbereit gewesen - allerdings sehr eifersüchtig und auch "schwierig", wenn er etwas getrunken habe.

Cobra-Beamte trauern um "Snap"
Bedrückt war auch die Einheit des EKO Cobra, die bei dem Einsatz den Polizeihund verloren hat. Während eine Tatortgruppe beim Haus ermittelte, saßen einige Cobra-Leute auf einem Feld nahe des Hauses, in dem sich der 63-Jährige zuvor verschanzt hatte - neben ihnen unter einer Decke "Snap": Der belgische Schäferhund war speziell trainiert darauf, in Situationen wie dieser - vor den Beamten - in ein Haus einzudringen und den Verdächtigen durch Umwerfen außer Gefecht zu setzen, erläuterte Oberstleutnant Alfred Schüller vom LKA. In diesem Fall gelang das dem Tier nicht - es wurde erschossen.

Von Florian Hitz und Klaus Loibnegger (Kronen Zeitung) und krone.at

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