Sa, 18. November 2017

Im Freudentaumel

12.06.2008 12:26

Türkische Megaparty in Wien

Türkische Fußballanhänger im Freudentaumel haben die Wiener Fanzone am Mittwoch nach dem Sieg in letzter Minute bevölkert. Fahnenschwenkend und mit unüberhörbaren "Türkyie"-Rufen zelebrierten die Fans vor dem Rathaus ihre Mannschaft bereits wie einen frisch gebackenen Europameister. Laut der Stadt Wien verfolgten etwa 12.600 Besucher das zweite Spiel des Abends.

Gedämpfte Stimmung herrschte hingegen am Swiss Beach am Donaukanal: Nach dem zweiten Tor der Türken machte sich Melancholie breit, die ersten Schweizer verließen den künstlichen Strand und steckten sprichwörtlich des Kopf in den Sand.

Schlägereien in der Fanzone
In der Wiener Fanzone kam es zu einigen Schlägereien. Laut Polizei habe man diese jedoch schnell schlichten können. Noch vor Ende des ersten Spiels am Mittwoch zogen unter lautem Gegröle hauptsächlich Fans mit Halbmond-Flaggen und kleine Gruppen mit Schweizer Anhängern in die Partymeile ein und heizten die Stimmung an. Unüberhörbarer Jubel brach aber erst in der zweiten Halbzeit aus, als dem türkischen Team der Ausgleich zum 1:1 gelang.

Türken-Partys in ganz Wien
Nach dem Siegertor kurz vor dem Schlusspfiff tanzten und bejubelten vor allem jugendliche Fans direkt vor der Leinwand am Rathaus ihre Kicker. Rauchbomben und die Parolen der mit roten Fahnen wild um sich schwenkenden Fußballanhänger übertönten die Übertragung der Leinwände bei weitem. Der Rathausplatz leerte sich nur langsam, der Großteil der türkischen Fans beteiligte sich tanzend an einer rund halbstündigen Freudenfeier. Die Party wurde später unter anderem auf dem Stephansplatz, dem Reumannplatz und in der Ottakringer Straße fortgesetzt, die gesperrt wurde.

85 Festnahmen in der Schweiz
In mehreren Städten haben frustrierte Schweizer Fans nach der Niederlage ihres Teams gegen die Türkei gewaltsam Dampf abgelassen. Vielerorts kam es zu Rangeleien zwischen Schweizern und türkischen Fangruppen. Die Polizei nahm rund 85 Personen fest. In Basel waren es 25 Randalierer, die Polizei setzte in dem Austragungsort eine Drohne ein, um die Fangruppen zu überwachen.

Wie Sicherheitssprecher Klaus Mannhart bei einer Pressekonferenz sagte, waren die Nationalitäten der in Basel festgenommenen Raufbolde "bunt gemischt". Insgesamt seien an dem Spieltag in der ganzen Stadt 100.000 Fußballfans unterwegs gewesen, schätzte der Basler EURO-Delegierte Hanspeter Weisshaupt.

Trotz des Massenandrangs war die Lage bald recht wieder beruhigt: Nach 1.00 Uhr hatten sich die meisten Fans in Basel wieder verzogen, resümierte die Polizei.

Polizisten am Berner Hauptbahnhof angegriffen
In Bern verhaftete die Polizei vor Mitternacht mehrere Personen, die die Polizei angriffen: Einzelne Schweizer aus der rechten Szene hatten am Berner Hauptbahnhof Flaschen auf die Beamten geworfen. An den Provokationen hätten sich allerdings lediglich zwei bis drei Dutzend Fans beteiligt, sagte die Kantonspolizei Bern am Donnerstag. Die Beamten hätten auch diese Provokationen meist schlichten können. In einem Fall musste Gummischrot eingesetzt werden. Verletzt wurde niemand.

In den voll besetzten Fanzonen der Berner Innenstadt verlief der Abend laut Polizei friedlich. Mehrere Zehntausend Menschen verfolgten das Spiel im Freien mit. In Aarau wollten etwa 200 Schweizer rund 400 friedlich feiernde Türkei-Fans provozieren, worauf es zu Scharmützeln kam. 14 Personen wurden nach Polizeiangaben vorübergehend festgenommen, eine Person blieb wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte inhaftiert. In Zürich und Winterthur nahm die Polizei rund 20 Personen fest, die an Schlägereien beteiligt waren oder Sachbeschädigungen begingen. Tätliche Auseinandersetzungen gab es im Züricher Hauptbahnhof, wohin sich nach dem Spiel viele Fußballfans wegen des Regens zurückzogen.

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