Do, 14. Dezember 2017

Finanzkonferenz

07.06.2008 18:48

Medwedew: USA für Finanzkrise verantwortlich

Russlands neuer Präsident Dmitri Medwedew hat die USA für die weltweite Finanzkrise verantwortlich gemacht und sein Land als neue Wirtschaftsgroßmacht bezeichnet. "Das Versagen der weltweit größten Finanzkonzerne, Risiken richtig einzuschätzen, und die aggressive Finanzpolitik der größten Volkswirtschaft der Welt haben nicht nur zu Verlusten bei Unternehmen geführt", sagte Medwedew am Samstag. "Die meisten Menschen auf diesem Planeten sind auch arm geworden." Zur Lösung der Krise bot er Russlands Hilfe an und schlug vor, noch in diesem Jahr eine internationale Finanzkonferenz auszurichten. Die USA könnten das Problem auf jeden Fall nicht alleine lösen.

"Russland ist jetzt ein Global Player", sagte Medwedew in einer Rede auf dem jährlichen Wirtschaftsforum für Auslandsinvestoren in St. Petersburg. Es bestehe eine Kluft zwischen der führenden Rolle, die die USA in der Weltwirtschaft spielten, und der tatsächlichen Leistungsfähigkeit der Vereinigten Staaten. Dies sei einer der Hauptgründe für die gegenwärtige Krise. Sein Land könne dazu beitragen, die Lage zu stabilisieren. US-Handelsminister Carlos Gutierrez wies die Kritik umgehend zurück. Die USA hätten ihre Politik noch nie auf einem "ökonomischen Egoismus" aufgebaut. Die Globalisierung sei im Interesse seines Landes.

Medwedew kündigte weiter an, in Kürze einen Aktionsplan zu verabschieden, dessen Ziel es sei, Russland zu einem globalen Finanzzentrum und den Rubel zu einer führenden Währung zu machen. Zugleich erklärte er, die Schritte der Regierung zur Liberalisierung des russischen Gasmarkts und zur Senkung der Steuern im Ölsektor würden dazu beitragen, die weltweiten Energiemärkte zu stabilisieren.

Arkadi Dworkowitsch, oberster Wirtschaftsberater des Landes, schränkte allerdings kurz darauf ein, Russland benötige nicht die Art ausländischer Investitionen, die die Möglichkeiten der eigenen Unternehmen beeinträchtigen würden. Exxon Mobil-Chef Rex Tillerson sieht die Attraktivität des russischen Marktes für ausländische Investoren allerdings ohnehin noch nicht gegeben. Das Land müsse erst sein Justizsystem verbessern, sagte er auf derselben Konferenz.

Russland ist der weltgrößte Gasproduzent und zweitgrößte Ölexporteur. Seit zehn Jahren erlebt das Land einen Wirtschaftsboom, der durch den ständig steigenden Ölpreis getrieben wird.

Die vom russischen Staat kontrollierte Gazprom gab unterdessen bekannt, dass sie bei einem Gaspipeline-Projekt im US-Bundesstaat Alaska einsteigen will. Man habe den beteiligten Konzernen ConocoPhillips und BP bereits einen Vorschlag unterbreitet, sagte Gazprom-Chef Alexej Miller auf der Konferenz. Das Pipeline-Projekt ist in den USA aus umweltpolitischen Gründen stark umstritten.

Miller kündigte zudem an, dass russisches Gas nach der Fertigstellung der Ostsee-Pipeline ab 2011 in Rubel gehandelt werden solle. Weitere Einzelheiten nannte der Gazprom-Chef vorerst nicht.

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