Fr, 15. Dezember 2017

Flug ins Minus

10.06.2008 22:31

Vizekanzler Wilhelm Molterer für AUA-Partner

Für die defizitäre AUA deutet alles auf den Einstieg eines strategischen Airline-Partners hin. Unter der gegebenen wirtschaftlichen Entwicklung und Wettbewerbslage ist für Vizekanzler und Finanzminister Wilhelm Molterer als Eigentümervertreter des Hauptaktionärs Bund eine Stand-alone-Lösung für die AUA "eher unwahrscheinlich". Strittig ist in der Regierung indes, wieviel abgegeben wird. Gegen einen Totalrückzug der Staatsholding ÖIAG dürfte sich der Koalitionspartner SPÖ noch stemmen. Für Molterer ist hier aber das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Natürlich werde der Staat, wenn es nötig ist, seinen Anteil zurücknehmen. Seines Erachtens werde es aber unter dieser Regierungskonstellation sehr, sehr schwer sein, unter 25 Prozent zu gehen, so Molterer am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Politische Befindlichkeiten hätten hier aber nichts zu suchen. An der AUA ist die Republik Österreich über die Staatsholding ÖIAG mit 42,75 Prozent beteiligt.

Eine Beteiligungslösung für die AUA sei wahrscheinlich, und es gehe nicht mehr um einen Finanzinvestor, sondern um den Einstieg eines strategischen Partners, also einer anderen Airline. Wer das sein wird, sagte Molterer noch nicht. Ebenso ließ er dahingestellt, ob sich eine andere Airline mit einer Minderheitsbeteiligung und einem weiteren staatlichen Mitaktionär begnügen würde und ob der Staat weiter in die Tasche greifen würde, um im Fall nötiger Kapitalerhöhungen entsprechend an Bord zu bleiben.

Faymann gegen Totalrückzug des Staats
Gegen einen Komplettverkauf der AUA an eine ausländische Airline hat sich Verkehrsminister Werner Faymann (SPÖ) ausgesprochen. Er sei gegen einen totalen Rückzug des Staates aus der AUA, sagte Faymann in einem Zeitungsinterview. Bei der Hereinnahme eines Partners will der Verkehrsminister Österreichs Interessen gewahrt wissen. "Wie verhindern wir, dass Flüge, die wir dringend brauchen, gecancelt werden. Wie kann man das verhindern, welches Instrument haben wir dann in der Hand", so seine Fragen.

Ihm sei bei der Partnerwahl wichtig, dass der Standort Wien nicht geschwächt werde. Das sei nicht nur eine Frage von Eitelkeiten. Der Flughafen habe weit über die regionale Bedeutung eines Betriebes hinaus, eine hohe Relevanz für die wirtschaftliche Entwicklung des gesamten Ostens von Österreich - egal ob der Partner Lufthansa, Aeroflot oder Air France heiße, erklärte Faymann.

Lufthansa als aussichtsreichter Interessent
Als aussichtsreichster Interessent für die AUA gilt die Lufthansa, die auch am Dienstag wieder ihr Grundsatzinteresse bekräftigt hat. Auch Aeroflot und Air France KLM werden kolportiert oder auch Emirates. Molterer sagte, er sei keiner der genannten Airlines verpflichtet oder irgendwie "vorfixiert". Man werde prüfen, wie strategische Lösungen bei anderen funktionierten. Auch die Frage der Allianzen sei zu berücksichtigen.

Entscheidung im Herbst
Entscheiden will Molterer jedenfalls im Herbst. Er will keine Zeit mehr verlieren. "Im Herbst wird eine Entscheidungsnotwendigkeit gegeben sein". Bis dahin würden "alle Optionen" geprüft. Vorrangig sei, die österreichische Infrastruktur und nachhaltige Standort- und Finanzierungssicherheit zu gewährleisten.

Molterer glaubt, dass die Privatisierungsdiskussion in Österreich in den nächsten Tagen und und Wochen überhaupt an Dynamik gewinnen wird. Für den von ihm propagierten Pflegefonds, der sich aus Privatisierungserlösen speisen sollte, sei die AUA freilich nicht das beste Beispiel, sagte Molterer, womit er den wohl nicht berauschenden Privatisierungserlös aus einem Rückzug bei der defizitären Airline umschrieb.

Spätestens seit der Aufsichtsratssitzung am Montagabend ist die AUA auch offiziell auf Partnersuche. Bis Ende Juli sollen erste Zwischenergebnisse bei der vom Beratungsunternehmen Boston Consulting Group (BCG) geführten Suche nach einem strategischen Partner vorliegen.

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