Mi, 22. November 2017

Action-Spektakel

06.06.2008 11:53

Ninja Gaiden II

Vier Jahre nach der ersten exklusiven Veröffentlichung von "Ninja Gaiden" für die Xbox erscheint nun der lang ersehnte zweite Teil der Meuchelmörder-Metzelei - abermals exklusiv, diesmal allerdings für Microsofts Next-Gen-Konsole Xbox 360. Was der Action-Titel neben einer verbesserten Grafik und literweise virtuellem Blut sonst noch zu bieten hat, liest du im krone.at-Test.

Die hübsche CIA-Agentin Sonia, ihre Markenzeichen sind ein Faible für Lack und Leder sowie ein tiefes Dekolleté, möchte gerade genüsslich eine Tasse Tee schlürfen, als Mitglieder des Schwarzspinnen-Clans über sie herfallen. Der Retter in der Not ist allerdings nicht weit: Ryu Hayabusa eilt der Blondine mit dem gekonnt in Szene gesetzten Vorbau zu Hilfe, muss aber letzten Endes resigniert feststellen, dass es sich bei der Entführung lediglich um ein plumpes Ablenkungsmanöver handelte. In Wahrheit haben es die Täter nämlich nicht auf die sexy Agentin, sondern auf die seit Generationen vom Hayabusa-Clan bewachte Dämonenstatue abgesehen. Dass diese Statue ihren Namen nicht grundlos trägt, dürfte auf der Hand liegen.

"The first cut is the deepest"
Egal wie konfus und letzten Endes belanglos die Geschichte um den letzten seines Ninja-Clans auch sein mag, schlussendlich läuft es immer auf dasselbe hinaus: Ryu metzelt sich kunstvoll durch Horden feindlicher Ninjas und schlimmerer Kreaturen. "Metzeln" ist dabei sprichwörtlich zu verstehen, werden doch im Sekundentakt nach feinster Kill-Bill-Manier Gliedmaßen abgetrennt und durch die Luft geschleudert. Das virtuelle Blut läuft dabei hochauflösend in Strömen, die Schmerzensschreie schallen in 5.1 aus den Boxen. Trotz Verlust von Arm und/oder Bein geben sich die Gegner jedoch nicht so leicht geschlagen: Wie einst der Schwarze Ritter in Monty Python's "Ritter der Kokosnuss" kämpfen sie zur Not auch nur mit einem Arm weiter und können so selbst im verwundeten Zustand noch erheblichen Schaden verursachen.

Wenn Ninjas übers Wasser gehen
Nachstechen macht sich also bezahlt. Zu diesem Zweck stehen Ryu wieder eine Reihe von Nah- und Fernkampfwaffen zur Verfügung, die sich beim Händler gegen das entsprechende Kleingeld auch aufrüsten lassen. Beschränkt sich das Inventar anfangs noch auf das Drachenschwert und Wurfsterne, so gesellen sich im weiteren Spielverlauf Waffen wie der Mondstab, die an Freddy Krüger erinnernden Falkenklauen, ein Dreschflegel ("Tonfa") oder Pfeil und Bogen hinzu. Darüber hinaus verfügt Ryu auch über eine Reihe magischer Ninpo-Angriffe – vorausgesetzt, die Ki-Leiste wurde entsprechend gefüllt. Ist das der Fall, kann unser Ninja-Held Flammeninfernos, Messerwirbel oder für den Gegner tödliche Vogelschwärme herbeizaubern. Ryu ist jedoch nicht nur ein Meister im Umgang mit der Waffe und dem Zauberstab, sondern auch eine echte Sportskanone: Wie ein gewisser Prinz aus Persien springt, hangelt und schwingt er sich über Abgründe, schwimmt und taucht oder läuft an Wänden entlang. Selbst übers Wasser gehen kann der leichtfüßige Ninja.

Leben heißt Leiden - auch im Videospiel
Wie bereits beim Vorgänger sind sämtliche Techniken in der Praxis sehr schnell erlernt, sie zu meistern bedarf jedoch einiger Übung. Einer ganzen Menge Übung, um genau zu sein. Denn auch der zweite Teil von "Ninja Gaiden" wurde von den Entwicklern mit einem sehr hohen Schwierigkeitsgrad bedacht. Selbst auf der leichtesten Stufe – insgesamt gibt es vier Schwierigkeiten, zwei davon müssen jedoch erst freigespielt werden – bedeutet das Spiel ein hartes Stück Arbeit. Da hilft es auch nichts, dass sich die Energie des angeschlagenen Helden neuerdings wieder regeneriert und ausreichend Speicherpunkte vorhanden sind. Besonders bei den imposanten Boss-Gegnern bekommt Ryu sein Fett weg und beißt – garantiert – nur zu oft ins virtuelle Gras. Während andere Spiele die Schwachstellen ihrer Endgegner wenigstens markieren, muss man sich hier durch das Prinzip von "Trial & Error" allmählich an eine Lösung des Problems herantasten. Jeder Boss verlangt nach einer jeweils ganz besonderen Taktik bzw. Waffe, und selbst wenn der Sieg schon in der Tasche scheint, heißt das noch lange nicht, dass er es auch tatsächlich ist: Ein besiegter Endgegner explodiert beispielsweise noch Sekunden nach seinem Ableben, um Ryu – posthum - in den Tod zu reißen.

Neues Spiel, alte Schwäche
Wissen kann man so etwas vorher natürlich nicht, weshalb die Leidensfähigkeit eines "Ninja Gaiden"-Spielers von Haus aus etwas größer sein sollte. Das gilt allerdings nicht nur für die Boss-Kämpfe, sondern auch für die an sich vergleichsweise einfachen Kämpfe gegen das normale Fußvolk. Abermals scheint der Wirt nämlich die Rechnung ohne die störrische Kamera gemacht zu haben: Gerade bei Plattform-Passagen, in engen Gängen oder Räumen ist es oftmals nahezu unmöglich, den richtigen Blickwinkel zu finden. Die Folge: Man haut blindlings ins Leere und hofft, den Kampf auch ohne direkten Blickkontakt zum Feind halbwegs heil zu überstehen.

Ninja-Kino für jedermann
Sind einmal keine Gegner in Sicht, sollte der Spieler für einen kurzen Moment inne halten und sich mit Hilfe der Kamera am beeindruckenden Level-Design erfreuen. Ob Wolkenkratzer im futuristischen Tokio, traditionelle japanische Settings mit Pagodentempeln und Kirschbäumen, New York oder die "Netherworld": Die optische Präsentation des Spiels lädt immer wieder zum Verweilen ein, ganz zu schweigen natürlich von den nach wie vor unglaublich anmutigen und geschmeidigen Bewegungen des Ninjas. Diese lassen sich neuerdings sogar mit Hilfe des "Ninja Cinema" dauerhaft festhalten: Ein Knopfdruck genügt und schon wird das Spielgeschehen aufgezeichnet. Die fertigen Aufnahmen lassen sich rudimentär bearbeiten und können via Xbox-Live auch anderen Usern zugänglich gemacht werden.

Technische Gebrechen
Leider muss allerdings erwähnt werden, dass so viel optische Opulenz auch ihre Spuren hinterlässt: Gerade zu Beginn des Spiels kam es zu beträchtlichen Einbrüchen der Framerate. Im weiteren Spielverlauf fielen diese zwar nicht mehr ganz so vehement auf, doch gerade bei größeren Gegnermassen kam es immer wieder zu kleineren Slowdowns. Auch Ladeunterbrechungen, wo eigentlich keine sein müssten, muss der Spieler beim Durchlaufen der streng linearen Level in Kauf nehmen. Nichts auszusetzen gibt es hingegen an der Musik, die sich mal rockig, dann wieder eher ruhig mit neuen und traditionellen Klängen an das dramaturgische Geschehen anpasst. Bei den Dialogen hat der Spieler die Wahl zwischen einer japanischen oder englischen Sprachausgabe plus englische Untertitel.

Fazit: Auch "Ninja Gaiden II" ist ein sehr guter Action-Titel geworden, hat aber trotz einiger Verbesserungen nach wie vor mit den Kinderkrankheiten des Vorgängers zu kämpfen - der bockigen Kamera und dem für Anfänger schlichtweg viel zu hohen Schwierigkeitsgrad. Wer sich jedoch Zeit fürs Üben nimmt, die Zähne vor Wut des Öfteren mal ins Beißholz rammt, anstatt den Controller blindlings wegzuschmeißen, und die Krämpfe im rechten Daumen konsequent ignoriert, der wird an dem perfekten Kampfsystem und den  flinken Bewegungen des Ninjas schnell Gefallen finden. Aufgrund des hohen Blutgehalts ist der Titel allerdings nur für Ältere geeignet.

Plattform: Xbox 360
Publisher: Microsoft
Krone.at-Wertung: 83%


von Sebastian Räuchle

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