Mi, 22. November 2017

Er half Zyklonopfern

05.06.2008 12:42

Burmesischer Schauspielstar erneut in Haft

Die burmesische Militärdiktatur hat den bekanntesten Schauspieler des Landes erneut festnehmen lassen. Zarganar, der sich seit Jahren in der Demokratiebewegung engagiert, sei in der Nacht auf Donnerstag aus seiner Wohnung in Rangun abgeführt worden, sagte eine Verwandte, die Zeugin der Festnahme in Zarganars Wohnung wurde. Zuvor hatte er bei der Versorgung von Opfern des verheerenden Wirbelsturms "Nargis" geholfen. Unterdessen berichtet die Menschenrechtsorganisation Amnesty International, dass die Militärjunta Hilfsgüter aus dem Ausland beschlagnahmen und verschwinden lässt.

Etwa zehn Beamte hätten elektronische Ausrüstung sowie rund 1.000 Dollar beschlagnahmt. Zum Grund der Festnahme konnte die Verwandte keine Angaben machen. Der 46-jährige Komiker mit bürgerlichem Namen Maung Thura ist bereits im Vorjahr zusammen mit Win Naing, einem Pionier der burmesischen Demokratiebewegung, in Haft genommen worden.

Die Menschenrechts- und Gefangenenhilfe-Organisation Amnesty International bestätigte Zaganars Festnahme. "Sein Haus wurde durchsucht und eine Reihe von CDs wurden aus seiner Wohnung mitgenommen", sagte der Südostasienexperte der Organisation, Benjamin Zawacki, am Donnerstag in Bangkok. Der Schauspieler werde derzeit im Westen Ranguns vernommen.

DVD über Folgen von "Nargis" könnte Ursache sein
Der in Thailand arbeitende burmesische Wissenschaftler Aung Naing Oo äußerte die Vermutung, die Festnahme stehe im Zusammenhang mit einer DVD über die Auswirkungen von "Nargis", die Zaganar produziert habe. Der auch als Schriftsteller tätige Künstler war vor seiner Festnahme gerade aus dem Katastrophengebiet im Irrawaddy-Delta zurückgekehrt. Zaganar war seit 1988 wiederholt inhaftiert, zuletzt drei Wochen nach den Demonstrationen buddhistischer Mönche im September vergangenen Jahres.

Amnesty: Burmesische Junta lässt Hilfsgüter verschwinden
Die burmesische Militärjunta lässt nach einer Untersuchung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International Hilfsgüter für die Zyklon-Opfer aus dem Ausland verschwinden. Nicht alles, was gespendet worden sei, komme bei den Überlebenden an, sagte der Berichterstatter der Menschenrechtsorganisation, Benjamin Zawacki, am Donnerstag in Bangkok. Amnesty kennt nach eigenen Angaben 40 eindeutige Fälle, in denen Regierungsbeamte Hilfslieferungen abzweigten. In einem Fall seien gleich 48 Lastwagen beschlagnahmt worden.

Zyklonopfer werden in zerstörte Dörfer zurückgetrieben
Amnesty International bestätigte auch Berichte, dass die Junta Zyklon-Opfer aus ihren Zufluchtsstätten vertreibt. Viele müssten in Dörfer zurückkehren, die von dem Wirbelsturm Anfang Mai völlig zerstört worden waren. Bei der Naturkatastrophe kamen nach amtlichen Angaben wahrscheinlich 134.000 Menschen ums Leben. Hunderttausende wurden obdachlos. Die Militärdiktatur macht sich nach Informationen der Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" (HRW) daran, zahlreiche Wirbelsturmopfer zu zwingen, die Notunterkünfte zu verlassen. Der regionale Beauftragte der Vereinten Nationen für Katastrophenhilfe, Terje Skavdal, verurteilte jegliche Form von Zwangsrückführung. Das Regime hatte scharfe Kritik an der ausländischen Hilfe für die Opfer des verheerenden Wirbelsturms "Nargis" geübt und erklärt, die Bevölkerung komme auch ohne die "Schokoladenriegel" ausländischer Helfer zurecht.

Noch ein Jahr Hausarrest für Friedensnobelpreisträgerin
Der von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi angeführten Demokratiebewegung warf die Militärjunta vor, die Folgen des Wirbelsturms zur Anstiftung eines Aufruhrs nutzen zu wollen. Suu Kyis Nationale Liga für Demokratie (NLD) versuche, "die Unzufriedenheit der Opfer und die Probleme zu schüren, damit die Wut der Öffentlichkeit in Aufruhr ausartet", hieß es in einem Leitartikel des Junta-Organs "The New Light of Myanmar". Der Hausarrest für Suu Kyi wurde in der vergangenen Woche um ein weiteres Jahr verlängert.

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