Mi, 13. Dezember 2017

Offene Einser-Frage

04.06.2008 21:15

Hickersberger verschiebt Tormann-Entscheidung

Teamchef Josef Hickersberger hat die Einser-Frage, ob Jürgen Macho oder Alexander Manninger bei der EURO das ÖFB-Tor hütet, auch am Mittwoch nicht beantwortet. Als Begründung für die Verschiebung nannte der Teamchef bei der Pressekonferenz in Stegersbach "disziplinäre Gründe" sowie dass "das Tormannproblem derzeit das geringste Problem ist." Der Name des EM-Tormanns wird daher erst eineinhalb Stunden vor dem Spiel gegen Kroatien (Anpfiff Sonntag um 18 Uhr) bekannt gegeben. Damit steht Österreich drei Tage vor der EM-Eröffnung weiter als einzige Mannschaft ohne Stammgoalie da.

Die "disziplinären Gründe" betreffen allerdings nicht die Tormänner, sondern einen Feldspieler, der zu spät zu einer Besprechung kam. Name wurde keiner genannt. Es gehe aber nicht nur um diesen Spieler, sondern auch insgesamt um die Trainingseinstellung, die zuletzt laut Hickersberger nicht mehr optimal gewesen sei.

Jürgen Macho und Alexander Manninger haben sich nichts zuschulden kommen lassen. "Beide sind hundertprozentig konzentriert und bei der Sache." Durch die jüngsten Ereignisse hätten sich eben die Prioritäten verschoben, "und ich bin nicht Sklave meiner eigenen Fristen". Auf die Frage eines Journalisten, ob man Alexander Manninger am Mittwoch den 31. Geburtstag mit einer Zusage an Macho nicht verderben wollte, antwortete der Teamchef: "Nein. Wir sind professionell und sachlich genug. Das hat damit nichts zu tun!"

Hickersberger sieht in den von ihm kritisierten Ereignissen "keine Form von Lagerkoller, sondern Undiszipliniertheiten. Es war für mich an der Zeit, die Mannschaft wachzurütteln. Kleinigkeiten lasse ich nicht einreißen. 'Wehret den Anfängen' heißt das Sprichwort".

Macho und Manninger reagieren gelassen 
Für Jürgen Macho und Alexander Manninger stellt die überraschende Vertagung der Entscheidung über den Stammgoalie der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft bei der EURO 2008 nach eigenen Angaben kein Problem dar. Macho zeigte sich gelassen. "Ich verfolge seit dem ersten Tag des Trainingslagers mein Ziel und habe es nach wie vor vor Augen. Die Entscheidung wird vom Teamchef getroffen. Für mich ändert sich nichts, und ich glaube für den Kollegen auch nicht."

Der angesprochene Manninger äußerte sich ähnlich. "Alles ist gleich wie vorher. Für mich ist das kein Problem und für die Mannschaft auch nicht", meinte der Salzburger, der am Mittwoch seinen 31. Geburtstag feierte, und ergänzte: "Aber irgendwann wird die Entscheidung kommen müssen."

Offene Goalie-Frage für Bilic "nicht logisch"
Kroatiens Teamchef Slaven Bilic kann die Nicht-Entscheidung seines Kollegen Josef Hickersberger, wer am Sonntag beim EM-Auftaktspiel im ÖFB-Tor stehen wird, nicht ganz nachvollziehen. "Ich kenne seine Gründe dafür nicht. Ich würde es sicher nicht machen. Die Torhüter kurz vor dem Spiel im Unwissen zu lassen, macht sie sicher nervös. Das könnte möglicherweise ein Vorteil für uns sein", sagte Bilic am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Teamcamp der Kroaten in Bad Tatzmannsdorf.

"Im Grunde will ich seine Entscheidung nicht kommentieren", fuhr der Kroate vor etwa 100 Journalisten fort. Für Bilic ist es aber "logischer, dass man bestimmte Dinge weiß". Doch jeder Trainer habe seine eigenen Methoden und er respektiere jene von Hickersberger. "Ob seine Methode gut ist oder nicht, wird man am Sonntagabend sehen", betonte der 39-Jährige und fügte hinzu, dass darüber nur das Ergebnis entscheiden werde.

Das sind die Tormänner der übrigen EM-Teilnehmer:

GRUPPE A:
Schweiz: Der Schweizer Teamchef Köbi Kuhn fixierte seine Tormann-Entscheidung bereits vier Monate vor dem Turnierstart. Die Wahl fiel "mit Blick auf die Zukunft" auf den 24-jährigen Diego Benaglio vom VfL Wolfsburg und damit gegen die "Nati"-Legende Pascal Zuberbühler.

Tschechien: Die Tschechen verfügen mit Chelsea-Goalie Petr Cech über einen der derzeit stärksten Torhüter der Welt. Dementsprechend unbestritten ist der 26-jährige Mann mit dem Rugby-Kopfschutz der Firma Canterbury bei Nationaltrainer Karel Brückner.

Portugal: Vier Jahre nach der Heim-EM hütet Ricardo Pereira auch 2008 Portugals Tor. Obwohl der 32-Jährige bei Betis Sevilla seinen Stammplatz verloren hat, vertraut ihm Teamchef Luiz Felipe Scolari weiterhin. Ricardo kann vor allem im Falle eines Elferschießens zum entscheidenden Faktor werden, das bewies er bereits bei der EM 2004 und der WM 2006.

Türkei: Der langjährige türkische Stammtorhüter Rüstü Recber, 2002 mit den Türken WM-Dritter, muss diesmal auf der Ersatzbank Platz nehmen. Teamchef Fatih Terim favorisiert in der Tormann-Frage den 26-jährigen Volkan Demirel von Fenerbahce Istanbul.

GRUPPE B:
Deutschland: Seit dem dramatischen Duell zwischen Jens Lehmann und Oliver Kahn um den Platz im Tor bei der Heim-WM 2006 ist die "T-Frage" (Tormann-Frage) in Deutschland ein beliebtes Thema. Trotz seiner Reservistenrolle bei Arsenal hält Teamchef Joachim Löw dem 38-jährigen Lehmann treu die Stange. Nicht nur zum Ärger der nachdrängenden Goalies wie Rene Adler, Robert Enke, Tim Wiese, Timo Hildebrand oder Frank Rost.

Kroatien: Nach der wegen einer Oberschenkelverletzung verpassten EM 2004 bestreitet Stipe Pletikosa nach der WM 2006 nun sein zweites großes Turnier im kroatischen Tor. Der 29-Jährige hütet auch das Gehäuse von Spartak Moskau und ist damit Teamkollege von ÖFB-Verteidiger Martin Stranzl.

Polen: Polens niederländischer Teamchef Leo Beenhakker vertraut auf Artur Boruc (28), der seit 2005 beim schottischen Meister Celtic Glasgow unter Vertrag steht und bei der WM 2006 von den Fans zum besten polnischen Spieler der Endrunde gewählt wurde.

GRUPPE C:
Italien: Gianluigi Buffon gilt derzeit gemeinsam mit Petr Cech als bester Tormann weltweit. Den Rang als teuerster Schlussmann hat "Gigi" nach wie vor alleine inne, 2001 hatte Juventus Turin 54 Mio. Euro Ablöse an den AC Parma überwiesen. Der 30-Jährige dankt es mit eiserner Treue, begleitete die "Alte Dame" sogar beim Zwangsabstieg in den Serie-B-Keller.

Niederlande: Der niederländische Rekordteamspieler Edwin van der Sar bestreitet sein sechstes und letztes Großereignis im "Oranje"-Kasten. Der 37-Jährige beendet nach der EM seine Teamkarriere, bei Champions-League-Sieger Manchester United hängt der baumlange Schlussmann jedoch noch mindestens eine Saison an.

Rumänien: Dinamo-Bukarest-Tormann Bogdan Lobont freut sich auf seine ersten Einsätze bei einem großen Turnier. In seiner Heimat wird der 30-Jährige aufgrund seiner Fähigkeiten "Die Katze" gerufen. Bei der EM 2000 war Lobont Ersatzgoalie der Rumänen.

Frankreich: Nach dem Abgang des Tormann-Exzentrikers Fabien Barthez ist nun im Alter von 35 Jahren der Weg für Gregory Coupet frei. Für den Goalie von Serien-Champion Olympique Lyon hatte es in der Vergangenheit trotz konstant starker Leistungen kein Vorbeikommen an Barthez gegeben.

GRUPPE D:
Griechenland: Antonis Nikopolidis war einer der wichtigsten griechischen Eckpfeiler auf dem Weg zum sensationellen EM-Titel 2004. Teamchef Otto Rehhagel setzt auch 2008 auf den 36-jährigen Olympiakos-Piräus-Tormann mit weiß-grauer Haarpracht a la George Clooney.

Spanien: Iker Casillas ist im Kasten der spanischen Auswahl gesetzt. Das Urgestein von Real Madrid ist vor allem im Duell Eins-gegen-Eins einer der besten seiner Zunft. Mit Real hat Casillas bereits große Triumphe wie den Champions-League-Sieg gefeiert, mit dem Nationalteam wartet der 27-Jährige aber noch auf den großen Wurf.

Schweden: Andreas Isaksson ist seit der EM-Qualifikation 2004 der Einser-Tormann der Schweden und überzeugte auch mit starken Leistungen bei der WM 2006. Im Vorfeld der EURO hatte es der 26-Jährige aber alles andere als einfach, denn bei Manchester City war Isaksson zumeist nur zweite Wahl.

Russland: Nach überstandener Knieverletzung hat sich Igor Akinfejew seinen Platz im Tor der russischen Nationalmannschaft rasch zurückerobert. Der 22-Jährige, der bei CSKA Moskau unter Vertrag steht, ist der jüngste Einser-Goalie der EM. Bereits 2004 war Akinfejew als 18-jähriger Ersatzmann bei der EM in Portugal dabei gewesen.

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