Sa, 18. November 2017

Sahara-Geiseln

16.06.2008 00:07

Verhandler mit Kidnappern so gut wie einig

Neue Signale im Geiseldrama rund um Wolfgang Ebner und Andrea Kloiber: Wie am Sonntag aus diplomatischen Kreisen in Mali zu vernehmen war, sollen sich die österreichischen Verhandler (über diverse Mittelsmänner) mit den Kidnappern weitgehend auf die Freilassung geeinigt haben. Jetzt fehlt nur noch eine Waffenruhe...

"Über Mittelsmänner ist es in den letzten Tagen gelungen, uns mit den Kidnappern über die wichtigsten Details zu einigen", bestätigt Sondergesandter Anton Prohaska in der Hauptstadt Bamako. Über die Bezahlung von Lösegeld oder den Austausch von Gefangenen wird geschwiegen.

Tatsächlich dürfte aber nur die aktuelle Sicherheitslage im Norden Malis eine Freilassung derzeit unmöglich machen. "Nach wie vor ziehen marodierende Banden durch die Wüste. Sowohl zwischen den Stämmen als auch zwischen Regierungstruppen und der Al-Kaida herrscht ein offener Krieg", analysiert Terrorexperte Amer Albayati.

Sicherheitsgarantien und Waffenruhe für Freilassung nötig
"Unser Botschafter und Ministerin Plassnik stehen in ständigem Kontakt mit den einflussreichen Leuten in der gesamten Maghreb-Region. Es wird mit allen verhandelt, vom Stammesältesten bis hin zu Malis Staatspräsident Amadou Tour", so der Sprecher des Außenministeriums, Peter Launsky-Tieffenthal. "Es wird nur dann zu einer Lösung kommen, wenn es Sicherheitsgarantien und eine Waffenruhe gibt."

Und die ist, 116 Tage nach der Entführung der Touristen, momentan konkret nicht absehbar. Und so werden Andrea Kloiber und Wolfgang Ebner wohl auch noch in den nächsten Tagen oder Nächten von einer Höhle in die andere gezerrt. Bei 50 Grad im Schatten...

Entführter Halleiner angeblich an Malaria erkrankt
Ein Verwandter des in der Sahara entführten Salzburgers Wolfgang Ebner berichtete vor wenigen Tagen, dass sich der Halleiner bei seiner Familie telefonisch gemeldet habe. Angeblich soll er an Malaria und Cholera erkrankt sein, was das Außenministerium allerdings nicht bestätigen wollte. "Es ist uns nicht bekannt, dass Ebner und Andrea Kloiber an einer spezifischen Krankheit leiden, aber es gibt Hinweise, dass sie mitgenommen sind", hatte Launsky-Tieffenthal am Freitag erklärt.

Auch wenn die Gefahr bestehe, dass das Bekanntwerden des stattgefundenen Telefonats die Sicherheit der beiden Salzburger gefährden könnte, überwiege die Freude über ein "unzweideutiges" Lebenszeichen, so der Sprecher. Wolfgang Ebner hatte laut dem Angehörigen mit einem Familienmitglied reden dürfen, aber in englischer Sprache, damit die Entführer, die ja der deutschen Sprache nicht mächtig sind, jedes Wort mithören konnten.

Seit fünf Monaten entführt
Die beiden österreichischen Sahara-Touristen sind am 22. Februar 2008 in Süd-Tunesien nahe der algerischen Grenze von der "Al-Kaida im islamischen Maghreb" entführt, dann in deren Rückzugsgebiet von Nord-Mali verschleppt worden. Diese Region kontrollieren die Tuareg Bahangas, die sich der Regierung in Bamako nicht unterwerfen wollen. Die Entführer forderten von der österreichischen Regierung, sich für die Freilassung ihrer in tunesischer und algerischer Haft sitzenden Gesinnungsgenossen einzusetzen. Ein zweimal verlängertes Ultimatum an Österreich, diese Forderung zu erfüllen, ist bereits im April ausgelaufen.

Von Gregor Brandl und Manuela Kappes (Kronen Zeitung) und krone.at

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