Do, 14. Dezember 2017

Dorf Hickersberg

02.06.2008 16:54

Mini-Ort im Mostviertel während der EM ganz groß

Die Kühe grasen friedlich, Stress kennt man hier nicht. Der Blick reicht bis ins Donautal. Gerade einmal 25 Einwohner zählt das idyllische Dorf im westlichen Niederösterreich, und dennoch sind sie sich im Vorfeld der EURO 2008 ihrer Sonderstellung bewusst. Sie alle leben in Hickersberg. "Ja, so wie der Nationaltrainer", ist Christian Lengauer gewohnt zu antworten, wenn man ihn nach der Schreibweise seiner Adresse fragt.

Der Küchenchef bewohnt mit seiner Familie seit mehr als 15 Jahren eines der sechs Häuser im kleinen Ort im Bezirk Amstetten - Hickersberg 243. Sehr viel habe sich in den vergangenen Jahren im Dorf verändert, berichten Lengauer und seine Frau Karin. Mittlerweile gibt es nur noch einen einzigen Vollerwerbsbauern. Weitere Bauernhöfe wurden renoviert und zu großzügigen Wohnhäusern umgebaut.

Einst hatte auf dem Hickersberg (Mostviertlerisch sprich: "Higischberg") ein großer Vierkanthof gestanden. In der Zwischenkriegszeit wurde das Gut aufgelöst und zur Verteilung gebracht. Rund um das Dorf werden heute Mais und Hopfen angebaut. Die Straße auf die kleine Anhöhe im hügeligen Alpenvorland ist bis zu 13 Prozent steil. Autos verkehren aber ohnehin nur vereinzelt zwischen Zeillern und Leitzing. Einzig der Schulbus stoppt einige Male täglich in Hickersberg.

"Wir genießen die Ruhe hier", erklärt Herr Lengauer, warum es ihm in Hickersberg gefällt. "Und trotzdem ist man in zehn Minuten in der Stadt." Nämlich in Amstetten - dort, wo Österreichs Teamchef Josef Hickersberger aufgewachsen ist und in den 50er und 60er Jahren selbst seine ersten Fußball-Schuhe zerrissen hatte. Für einen gebrauchten VW-Bus war der spätere Nationalspieler 1966 mit 18 Jahren vom ASK Amstetten zur Wiener Austria gewechselt.

Public Viewing in Hickersberg
Fußball wird auch in Hickersberg großgeschrieben. Mitten im Dorf befindet sich ein kleiner Platz. "Mit Originaltoren", wie Christian Lengauer betont. Das Spielfeld ist leicht abschüssig. Für das EM-Gruppenspiel gegen den Erzrivalen Deutschland (16. Juni) hat sich Lengauer mit seiner Sauna-Runde aber etwas Besonderes einfallen lassen. "Wir haben uns alle den nächsten Tag freigenommen. Wir werden hier bei mir im Garten einen Beamer aufstellen." Public Viewing in Hickersberg.

Österreichs EM-Chancen als gering eingestuft
Die Chancen Österreichs bewertet Lengauer allerdings eher skeptisch. Was den Wahl-Hickersberger zu einer kühnen Wette veranlasst hat. "Wenn wir bei der EURO ein Tor schießen, dann muss ich das ganze Essen bezahlen. Wenn wir in allen drei Spielen keines schießen, sind meine Freunde dran." EM-Euphorie sei mittlerweile aber auch im idyllischen Hickersberg zu spüren. Er habe schon vor Weihnachten gewettet, verteidigte sich Lengauer. "Jetzt würde ich das nicht mehr tun. Zuletzt haben wir ja ganz anständig gespielt."

Dennoch könnte sich das Interesse an der kleinen Ortschaft im Mostviertel schon in naher Zukunft wieder in Grenzen halten, meint Lengauer. "Mal schauen, ob er in drei Wochen überhaupt noch Teamchef ist." Dann hätten wieder ausschließlich Kühe, Schafe und der Most das Sagen in Hickersberg.

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