Mo, 20. November 2017

Böses Schicksal

21.05.2008 20:33

100 Oberösterreicher liegen im Wachkoma!

Das erschütternde Schicksal des Spitzer Bürgermeisters Hannes Hirtzberger, der nach dem Strychninanschlag im Wachkoma vegetiert - es wirft ein Schlaglicht auf seine Schicksalsgenossen, die wie er als „lebende Leichen“ in endlosen Träumen gefangen sind. Allein in Oberösterreich gibt es hundert Patienten.

„Laut einer bundesweiten Erhebung im Vorjahr liegen derzeit in Oberösterreich in Alten- und Pflegeheimen 63 Menschen im Wachkoma“, erklärt Heinz Hierzer, Geschäftsführer der Schädel-Hirn-Trauma-Lobby mit Sitz in Wels, die sich um solche Fälle kümmert. „Dabei ist die Dunkelziffer relativ hoch, wir schätzen, dass es insgesamt 100 Betroffene gibt, von denen aber viele zu Hause von Angehörigen gepflegt werden“, weiß Hierzer. Das Land Oberösterreich bietet in den Heimen Christkindl und Schloss Cumberland jeweils sechs derartige Pflegeplätze an, in Schloss Haus in Pregarten sollen 13 zusätzliche Betten eingerichtet werden. Pro Tag kostet die Rund-umpflege etwa 230 Euro.

„Ein wesentlicher Aspekt ist, dass man nicht von unwürdigem Leben sprechen darf“, mahnt Hierzer: „Solche Menschen sind nicht völlig teilnahmslos, aber oft merken nur die Angehörigen, dass sie auf etwas reagieren. Nur mit Therapien und aktivierender Pflege gibt es eine Hoffnung.“

„Wir besuchen unseren Michi, so oft es geht“
Seit fünf Jahren liegt Michael Grasböck (21) aus Gmunden im Wachkoma. Er hatte beim Zungen-Piercing eine Überdosis Betäubungsspray erwischt. Vater Kurt Grasböck sorgt für ihn.

Herr Grasböck, wie geht es ihrem Sohn Michael?
Der Michi liegt immer noch in der Cumberland-Pflegeanstalt auf der Wachkoma-Station. Die Ärzte sagen, dass er ein apallisches Syndrom hat und wahrscheinlich nie mehr aufwacht. Wir besuchen ihn, so oft es geht. Es ist jeden Tag jemand bei ihm.

Was machen Sie bei Ihren Besuchen, versuchen Sie, Kontakt mit ihm zu haben?
Wir reden immer mit ihm. Stellenweise lacht er, wenn er etwas Blödes hört. Aber ob er wirklich reagiert, weiß man nicht. Wenn der Michi wach ist, hat er zwar die Augen offen, schaut aber direkt in ein Loch. Er nimmt nichts wahr.

Kommt sonst noch jemand zu Ihrem Sohn ins Spital?
Von den Freunden ist nie jemand gekommen. Ich glaube, die Burschen wollen das gar nicht sehen, die wollen den Michi so in Erinnerung behalten, wie er damals war. Von den Mädchen sind am Anfang einige gekommen, ein paar tauchen immer noch auf.

Der Bursch, der damals wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt worden war, weil er Michael zu spät half, stand ja vor Gericht?
Er ist freigesprochen worden. Aber ich will darüber gar nicht mehr reden, hab´ damit abgeschlossen - sonst würde ich verrückt.

Welche Perspektive sehen die Ärzte für Ihren Sohn? Gibt es noch Hoffnung?
Falls Michi aufwacht, ist er mit Sicherheit ein schwerster Pflegefall.

 

Symbolfoto: Jürgen Radspieler

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