Mi, 22. November 2017

30 Mille für ‚Big Sue‘

19.05.2008 14:13

Dicke Arbeitsamtsmitarbeiterin versteigert

Das hätte sich die übergewichtige Londoner Arbeitsamtsangestellte Sue Tilley (51) wohl selbst in ihren kühnsten Träumen nicht ausgemalt: Das Bild ihres nackten Körpers, vom britischen Maler Lucian Freud mit satten Pinselstrichen auf die Leinwand gebannt, hat in New York einen Weltrekord erzielt. Für 33,6 Millionen Dollar (21,7 Millionen Euro) kam das lebensgroße Aktgemälde unter den Hammer - so viel Geld hat bei einer Auktion noch nie jemand für das Bild eines lebenden Künstlers auf den Tisch gelegt.

Tilley, die rund 125 Kilo auf die Waage bringt, hat sich den unerwarteten Ruhm hart verdient. Sie "lag" jahrelang Modell für den als besonders gründlich bekannten Künstler und Enkel des Psychoanalytikers Sigmund Freud. Für das erste Ölgemälde "Evening In The Studio" (1993) musste sie Tag für Tag in verquerer Pose auf dem Fußboden ausharren. Für das jetzige Rekordbild "Benefits Supervisor Sleeping" (1995), auch liebevoll "Big Sue" genannt, schaffte Freud dann ein zerschlissenes Sofa an.

Gewichtige Muse
Auf dem durfte sich die gewichtige Muse halbwegs gemütlich einkuscheln, während der Meister ihr wallendes Fleisch mit drastischem Realismus in Kunst verwandelte. Die gewaltigen Brüste, der dicke Bauch und die prallen Schenkel - alles wird dem Betrachter fast erbarmungslos präsentiert. "Ich glaube, er hat mich ausgesucht, weil er viel für sein Geld bekommen hat", sagte Tilley einmal. "Das ist doch eine ganze Menge Fleisch."

Unbekannter Käufer
Wer sich von dem ungewöhnlichen Charme des Bildes zur Zahlung von mehr als 20 Millionen Euro verführen ließ, wurde nicht bekannt gegeben. "Natürlich kennen wir den Käufer. Aber er bleibt anonym", sagte Amy Cappellazzo, die Co-Chefin der Christie's-Abteilung für zeitgenössische Kunst, nach der Aktion. "Es ist ein sehr erfahrener Sammler - und ein mutiger." Nun hat eine Zeitung berichtet, dass es sich bei dem Käufer um den russischen Milliardär und Fußballclub-Besitzer Roman Abramowitsch handelt.

Bei der Versteigerung im edlen Kunsthaus am Rockefeller Center mitten in Manhattan hatte der Freud-Fan gute Nerven bewiesen. Auktionator Christopher Burge stieg zwar mit schlappen 16 Millionen Dollar ein - aber dann überschlugen sich die Gebote nur so. Nach einem nervenzerreibenden Zweikampf per Telefon kam schließlich der Zuschlag beim sogenannten Hammerpreis von 30 Millionen Dollar - da wollte der Konkurrent nicht mehr mithalten. Mit den Auktionsgebühren summierte sich der Endpreis für das gute Stück dann auf 33,6 Millionen Dollar.

"Big Sue" ist das Geld wert
Nach Ansicht von Kunstexperten ist "Big Sue" ihr Geld durchaus wert. Sie wurde von den französischen Kunstsammlern Guy und Marion Naggar erstmals zum Verkauf angeboten. Das Gemälde sei eines der besten Bilder des Künstlers aus den 90er-Jahren, schwärmt Christie's. "Es ist ein mutiges und eindrucksvolles Beispiel für die große Kraft von Freuds Realismus." Schon lange gilt der in Berlin geborene Brite als einer der wichtigsten Künstler der Gegenwart. Heute 85 Jahre alt, hatte der Freud-Enkel 1933 mit seiner Familie vor den Nazis nach England fliehen müssen und fand dort seine künstlerische Heimat.

Koons entthront
Den bisherigen Rekord für das Werk eines noch lebenden Künstlers hielt übrigens auch ein recht gewichtiges Stück - das "Hängende Herz" des Amerikaners Jeff Koons (Jahrgang 1955), das im vergangenen November für 23,6 Millionen Dollar einen Liebhaber fand. Das riesige, rotschimmernde Metallherz an einer goldenen Schleife wog 1.500 Kilo und stellt "Big Sue" damit noch deutlich in den Schatten.

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